Neue Teuerungswelle überrollt Verbraucher

München - Die Verbraucher werden von steigenden Energiekosten nicht verschont. Der Beschluss von Eon, Strom und Gas deutlich zu verteuern, ist der Höhepunkt einer neuen Preisrunde. Politik und Konsumentenschützer treibt das Gebaren der Versorger auf die Barrikaden.

Der Schritt von Eon überraschte Marktbeobachter kaum. Seit 1. Januar 2006 hatte der Konzern seine Strompreise in Bayern unverändert gelassen. Da schien es nur eine Frage der Zeit, bis der größte Versorger im Freistaat wieder an der Preisschraube dreht.

Gestern war es dann so weit: Die Entgelte für Strom würden in Bayern zum Jahreswechsel um zehn Prozent steigen, die für Gas um acht Prozent, erklärte der Energieriese in einer Mitteilung.

Eon ist nicht der einzige Versorger, der seinen Kunden mehr abverlangt. Seit dem Wegfall der Strompreisgenehmigung im Juli haben nach Angaben des Vergleichdiensts Verivox ca. 170 der 1000 bundesweit aktiven Versorger ihre Stromtarife teils deutlich erhöht.

Und es dürften noch mehr werden: "Wir rechnen mit weiteren Preissteigerungen", sagte eine Verivox-Sprecherin. Es gibt allerdings auch Ausnahmen wie die Stadtwerke München, die ihre Gaspreise bis Ende Juni 2008 und ihre Strompreise bis Ende Dezember 2008 stabil halten wollen.

Die Unternehmen begründen die Preisrunde durch die Bank mit denselben Argumenten: den gestiegenen Beschaffungskosten von Strom und der Ölpreisbindung beim Gas. Aber wie immer, wenn die Versorger ihre Entgelte anpassen, regt sich Kritik.

"Die deutschen Konzerne nutzen den mangelnden Wettbewerb aus. Das zeigt sich auch im Vergleich mit anderen Ländern, wo die Preise niedriger und teilweise gefallen sind", sagt Josef Auer, Energiespezialist bei der Deutschen Bank in Frankfurt. Zwar besteht nach seinen Worten kein Zweifel daran, dass das ungebremste Wachstum in China und Indien Öl, Gas und Kohle verteuert.

Dies rechtfertige aber keine so drastischen Erhöhungen wie die von Eon oder auch RWE. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel bezeichnete die Argumentation der Konzerne gegenüber der "Frankfurter Rundschau" als Unsinn.

In die Preispolitik einzugreifen scheint derzeit nicht möglich. Den Wirtschaftsministerien der Länder, die früher ungerechtfertigte Erhöhungen kürzen konnten, sind inzwischen weitgehend die Hände gebunden. Das Bayerische Wirtschaftsministerium fordert deswegen die Verbraucher dazu auf, von ihrer Marktmacht Gebrauch zu machen und den Anbieter zu wechseln.

Beim Bundeskartellamt heißt es: "Wir beobachten den Markt seit Wegfall der Genehmigungspflicht ganz genau." Verstöße seien bislang aber nicht festgestellt worden. 

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