Neue Verzögerungen beim "Dreamliner" möglich

Upper Marlboro (dpa) - Der US-Flugzeugbauer Boeing ist mit dem Streik seiner größten Gewerkschaft konfrontiert. Am Samstag traten knapp 27 000 Mechaniker in den Ausstand für einen besseren neuen Vertag.

Der Streik kommt für Boeing zu einer denkbar ungünstigen Zeit: Übervolle Auftragsbücher müssen abgearbeitet werden, und der Zeitplan für den ersten Flug des neuen Hoffnungsträgers Boeing 787 "Dreamliner" bis Ende des Jahres eingehalten werden.

Ein Boeing-Sprecher räumte ein, dass bei einem längerem Streik die der Langstreckenjet 787 im vierten Quartal nicht mehr abheben kann. Allerdings werde die Produktionslinie der Maschine weiterbetrieben, weil die Ingenieure arbeiteten, sagte er der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Die Produktion anderer Modelle soll aber stillstehen: Man werde während des Streiks zwar fertige Maschinen ausliefern, aber keine neuen bauen, sagte ein Konzernsprecher der "Seattle Times".

Es gibt verschiedene Schätzungen, wie schwer der Mechaniker-Streik Boeing belasten könnte. Analysten schätzen, dass jeder weitere Tag Aufschub bei dem bereits um mehr als ein Jahr verzögerten 787- Programm das Unternehmen 100 Millionen Dollar kosten könnte. Boeing hat knapp 900 Bestellungen für die Maschine und bei längeren Verzögerungen werden Strafzahlungen fällig. Ebenfalls auf rund 100 Millionen Dollar wird der tägliche Umsatzausfall geschätzt. Vor drei Jahren hatte ein Streikmonat den Boeing-Erlös um 2,8 Milliarden Dollar gedrückt.

Die Mitglieder der Gewerkschaft International Association of Machinists and Aerospace Workers hatten bereits Mitte der Woche mit großer Mehrheit für einen Streik gestimmt. Die Gewerkschaftsführung gab Boeing jedoch Zeit bis Samstag für eine Einigung. Auch diese Gespräche blieben ergebnislos.

Die Gewerkschaft lehnt den von Boeing zuletzt vorgeschlagenen Dreijahresvertrag mit einer Lohnerhöhung von elf Prozent ab. Sie fordere hingegen ein Plus von 13 Prozent und eine Erhöhung der Rentenzahlungen um 14 Prozent auf 80 Dollar im Monat für jedes gearbeitete Jahr. Boeing hatte zunächst nur neun Prozent mehr Lohn geboten.

Ein Boeing-Mechaniker verdient nach Gewerkschaftsangaben im Schnitt 54 000 Dollar im Jahr. 4000 Gewerkschaftsmitglieder kämen aber nur auf weniger als 30 000 Dollar.

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