Neue Vorwürfe bei Infineon

- München - Bei Infineon wird wieder schmutzige Wäsche gewaschen. Diesmal geht es angeblich um Steuerhinterziehung im Management. Die Vorwürfe sind fragwürdig.

Der Münchner Chipkonzern Infineon kommt nicht aus den Schlagzeilen. Neben einer geschäftlichen Firmenkrise, Streik im Werk Perlach und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Ex-Manager wegen Korruptionsvorwürfen muss das angeschlagene Unternehmen auch Prüfungen durch Finanzbehörden über sich ergehen lassen. Dabei geht es um den Infineon-Börsengang im März 2000, in dessen Zusammenhang einzelne Topmanager Steuern hinterzogen haben könnten. Zumindest wird dieser Verdacht durch Andeutungen aus dem Konzern genährt. Die Behörden schweigen indessen eisern.

"Das Steuergeheimnis verbietet mir jede Auskunft", beschied eine Sprecherin des bayerischen Finanzministeriums auf Anfrage. Auch ob in der Sache überhaupt noch geprüft oder gar ermittelt wird, wollte sie weder bestätigen noch dementieren. Das Bayerische Landesamt für Steuern beruft sich ebenfalls auf Schweigepflicht. Sicher ist nur, dass Finanzbehörden vergangenen Dezember die Zentralen von Infineon und der Ex-Mutter Siemens in München untersucht haben, bestätigen die Konzerne. Auslöser sollen Hinweise gewesen sein, wonach sich der im März 2004 gefeuerte Ex-Konzernchef Ulrich Schumacher beim Börsengang über Treuhänder mehr Anteile gesichert hat, als ihm nach konzerninterner Regelung zugestanden hätten. Einer dieser Treuhänder ist nach Angaben von Infineon- Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley der noch amtierende Vorstand Peter Bauer gewesen, wie interne Prüfungen gezeigt hätten. "Dabei hat sich ergeben, dass Herr Bauer auf Bitten von Herrn Schumacher Aktien im Rahmen seines Kontingentes treuhänderisch erworben hat", lässt sich Kley zitieren.

Damals war die zum Börsengang vielfach überzeichnete Infineon-Aktie im Höhenflug. Beim Verkauf von Papieren nach einem halben Jahr verbindlicher Haltefrist haben Manager hohe, steuerpflichtige Gewinne einstreichen können. Ob sich dabei einer von ihnen steuerlich etwas hat zu Schulden kommen lassen, ist völlig offen. Schumachers Anwalt bestreitet, dass im Zusammenhang mit dem Börsengang gegen seinen Mandanten wegen Steuerfragen ermittelt wird. Jeder damalige Aktienerwerb sei durch Ex-Aufsichtsratschef Volker Jung genehmigt worden, hat Schumacher angeblich gegenüber Kley geäußert.

Ob es in der neuerlichen Episode aus der Vergangenheit des Konzerns überhaupt echte Verdachtsmomente gibt, ist wegen des Schweigens der Finanzbehörden nicht zu klären. Zuletzt haben sich ausgeschiedene und amtierende Infineon-Topmanager hinter vorgehaltener Hand wechselseitig immer wieder diverser Verfehlungen beschuldigt.

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gibt es im Fall eines Korruptionsskandals, bei dem die Ex-Vorstände Andreas von Zitzewitz und seit jüngstem auch Schumacher im Fokus stehen. Der Ex-Konzernchef, der lange als Zeuge mit von der Partie war, wird der Vorteilsnahme verdächtigt. Er bestreitet dies. Infineon hat wegen des Verdachts prompt Millionenzahlungen gestoppt, die Schumacher als Abfindung noch zustehen. Ein Konzernsprecher betonte, das Unternehmen sei nicht Gegenstand der Ermittlungen. "Das ist eine Privatsache", fügte er hinzu.

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