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Ein intelligenter Stromzähler. Bislang fehlen Tarifmodelle, die den Einsatz für Kleinverbraucher lohnend machen. Dennoch sollen die alten Zähler bald verschwinden.

Intelligente Stromzähler

Neue Zwangsumlage für stabilere Netze?

München - Nach der Ökostrom- Umlage sollen die Verbraucher auch per Zwangsabgabe für intelligente Stromzähler zahlen. Deren Kosten sind derzeit noch höher als ihr spürbarer Nutzen.

Sie heißen Smart Meter und sollten die Welt des Stromverbrauchs seit 2010 revolutionieren. Sie kamen aber bisher bei den Kunden kaum an. Nun will Schwarz-Rot den intelligenten Stromzählern möglicherweise per Zwangsumlage zum Durchbruch verhelfen.

Eigentlich sollten sie ja ein Selbstläufer sein. Wer seine Waschmaschine in der früh füllt und sie, wenn er tagsüber eine Nachricht über einen besonders niedrigen Strompreis aufs Smartphone erhält, ferngesteuert startet, kann dadurch jede Menge Geld sparen. So wurden noch vor einigen Jahren die neuen Stromzähler gepriesen, die seit 2010 in Neubauten und – unter bestimmten Umständen – auch in Altbauten eingebaut werden müssen.

Um die angeblich revolutionäre Technik ist es still geworden. Denn sie hat nicht so ganz gehalten, was man sich von ihr versprochen hatte. Bisher gibt es so gut wie keine Stromtarifmodelle, die die Sache für Kleinverbraucher lohnend machen würde. Und offenbar sind auch nur wenige Verbraucher bereit, die Sparmöglichkeit zu nutzen, die mit viel organisatorischem Aufwand verbunden ist.

Und ganz objektiv gibt es Grenzen beim Sparen: Es hat wenig Sinn, Gefriertruhen und Kühlschränke nur dann zu aktivieren, wenn der Strom billig ist. Und Berufstätige können kaum ihren Arbeitsplatz verlassen, um daheim zu bügeln, wenn mittags starke Sonneneinstrahlung den Strom spottbillig macht, oder wenn in Sachsen-Anhalt der Herbstwind kräftig bläst. Da haben Arbeitgeber meist andere Prioritäten.

Dennoch hat das System Vorteile, die allerdings unmittelbar nur die Stromversorger zu spüren bekommen. Sie erhalten präzise Daten über den Stromverbrauch ihrer Kunden und dessen zeitliche Verteilung – und nicht nur einmal im Jahr den Zählerstand. Sie können damit viel besser kalkulieren, wann wo welche Strommengen gebraucht werden. Mit diesem Wissen kann auch – so die Erwartung – der teure Netzausbau weniger aufwändig ausfallen und damit auch für die Verbraucher billiger werden. Denn auf sie werden die Kosten ja in jedem Fall umgewälzt.

Auch die Möglichkeit, den Strom, der durch Windräder und Solarparks erzeugt wird, bei einem Überangebot notfalls zu drosseln, könnte das Energieangebot stabilisieren. So können die Netze auch ohne Ausbau mehr entsprechende Anlagen verkraften.

Diesen indirekten Vorteil für die Verbraucher führt auch auch eine vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie der Unternehmenberatung Ernst & Young auf. Sie empfiehlt deshalb, einen Teil der Kosten auf alle Stromkunden umzuwälzen.

Sie kommt aber auch zu anderen Schlüssen: Nach einem Bericht der Wochenzeitung „Die Zeit“ rät sie auch, die von den Stromversorgern gesammelten Daten zu verwerten. Die Zählerbetreiber, heißt es in dem Gutachten, also die Stromanbieter, könnten für eine „weitergehende Nutzung der Daten durch Dritte“ Geld einnehmen. „Andere Marktteilnehmer“ könnten damit „Produkte und Mehrwertdienstleistungen leichter vermarkten“.

Das aber ist eine Horrorvorstellung für Datenschützer: Wegen der Gefahr, dass Stromversorger mit den Alltagsgewohnheiten ihrer Kunden hausieren gehen, haben sie bereits wiederholt schwere Bedenken gegen die Smart Meter vorgebracht.

In dem Gutachten wurde auch die Umlage entworfen, die laut „Spiegel“ nun als Konzept einer Arbeitsgruppe im Bundeswirtschaftsministerium Eingang in die Politik der Bundesregierung finden soll. Damit könnte finanziert werden, dass künftig beispielsweise auch beim routinenmäßigen Zählertausch ein Smart-Meter eingebaut wird.

„Mit einem zusätzlichen Systembeitrag von acht Euro pro Jahr leistet jeder Endkunde einen Beitrag zum Systemaufbau einer intelligenten Messinfrastruktur und damit zur Energiewende“, heißt es im Gutachten. Acht Euro sollen also auch die für die neuen Zähler zahlen, die sie noch gar nicht haben. Kunden mit neuen Zählern oder anderen intelligten Messsystemen werden mit bis zu 72 Euro im Jahr belastet.

Von Martin Prem

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