Mit neuem Chef will Autobauer BMW das hohe Tempo halten

- München - Neun Monate vor Ablauf seines Vertrages muss BMW-Chef Helmut Panke das Steuer an Produktionsvorstand Norbert Reithofer abgeben. Der Aufsichtsrat des Münchner Autokonzerns berief eine verjüngte Führungsmannschaft für die nächsten Jahre. Ein Strategiewechsel sei nicht geplant.

Der 50-jährige Reithofer löst Panke schon am 1. September ab. Der wird am Tag zuvor 60 Jahre und erreicht damit die BMW-interne Altersgrenze für Führungskräfte. Unter Panke hatte BMW die Modellpalette stark erweitert und Absatz und Gewinn gegen den Branchentrend kräftig erhöht. Sein Vertrag läuft eigentlich erst im Mai aus, und er hatte auf eine Verlängerung gehofft. Angesichts wochenlanger Spekulationen entschied der Aufsichtsrat jedoch, rasch Klarheit zu schaffen.

"Dieser Vorstand sichert für die kommenden Jahre die personelle Kontinuität als Basis für die weitere positive Entwicklung", sagte Aufsichtsratschef Joachim Milberg. "Mit dieser Entscheidung hat der Aufsichtsrat die Weichen für eine langfristige Führung gestellt."

Der Aufsichtsrat berief zugleich zwei neue Vorstände: Reithofers Nachfolger als Produktionschef wird im September der Leiter des BMW-Werks Dingolfing, der 50-jährige Frank-Peter Arndt. Als Vorstand für Forschung, Entwicklung und Einkauf löst Klaus Dräger (49), der bisher für die großen 5er-, 6er- und 7er-Modelle von BMW zuständig war, zum 1. November den 60-jährigen Burkhard Göschel ab.

Mit der seit lange vorbereiteten Entscheidung wolle BMW vor allem Kontinuität sichern, erklärte Sprecher Marc Hassinger. Nach dem Votum für Reithofer sei es sinnvoll gewesen, mit dem Wechsel nicht bis Mai zu warten. Reithofer hatte zu einer Entscheidung gedrängt. Mit Blick auf die Altersgrenze sagte er kürzlich: "Wenn eine Regel da ist, sollte man sich daran halten."

BMW rechnet in diesem Jahr mit einem Rekordgewinn vor Steuern von vier Milliarden Euro. Allerdings sind Umsatz und Absatz in den vergangenen Jahren schneller gewachsen als der Ertrag, die Margen waren also rückläufig. "Der Weg von BMW ist aber richtig", sagte Ferdinand Dudenhöffer, Automobilwirtschafts-Professor an der FH Gelsenkirchen. Vielfalt sei derzeit in der Autoindustrie ein wichtiges Thema. Entscheidend sei dabei, dass diese Vielfalt in einer vernünftigen Relation zu den Kosten stehe. Hier sei das Thema Produktion besonders wichtig und die Berufung des Produktionsexperten Reithofer an die Spitze daher nachvollziehbar.

Dem 50-jährigen Reithofer wird der Job, einer der wichtigsten in der deutschen Automobilindustrie, in der Branche zugetraut. Der neue Chef gilt zwar als freundlich und zurückhaltend. Allerdings sollte man sich davon nicht täuschen lassen. "Man darf ihn nicht unterschätzen, er kann auch ein harter Hund sein", sagt ein Kenner des Unternehmens. Wenn es um die Umsetzung seiner Vorstellungen und Ziele gehe, sei Reithofer ein harter Verhandler.

Denn die Bewährungsproben für Reithofer werden kommen. In diesem Jahr wird der Gewinn primär wegen Sondereffekten steigen. Der schwache Dollar und die hohen Rohstoffpreise drücken auf die Kosten. Zudem muss BMW zum Beispiel ab 2008 erst noch beweisen, dass man auch mit den geplanten zwei neuen Modellreihen reüssieren kann. "Leichter wird es in den nächsten Jahren sicher nicht", heißt es in Unternehmenskreisen.

"Die Entscheidung für Reithofer war aber keine Entscheidung gegen Panke", sagte Aufsichtsrat Werner Neugebauer von der IG Metall. "Panke hat einen guten Job gemacht." Dennoch wird im Unternehmen die Altersgrenze von 60 Jahren für Führungskräfte positiv gesehen. "So gibt es immer eine Erneuerung", sagte Finanzvorstand Stefan Krause.

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