Neuemissionen: So trennt man die Spreu vom Weizen

- Jahrelang waren die Unternehmen zurückhaltend, jetzt streben wieder mehrere Kandidaten an die Börse. Im neuen Jahr bereichert seit wenigen Tagen das Aachener Biotechnologieunternehmen Paion den Kurszettel. Und nach dem Bezahl-TV-Sender Premiere steht nun der Turbinenbauer MTU in den Startlöchern. Für Privatanleger ist es schwierig, die Börsenkandidaten zu bewerten. Doch einige Faustregeln können bei der Entscheidung für oder gegen eine Zeichnung helfen.

<P class=MsoNormal>Auch wenn im Umfeld von Neuemissionen mitunter Euphorie geschürt wird, sollten Anleger niemals blind kaufen. Nur weil eine Neuemission für die Zeichner ein gutes Geschäft war, muss das eine andere kurz darauf längst nicht sein. Es kommt auf die Unternehmensdaten an.</P><P class=MsoNormal>50-2-50-Regel</P><P class=MsoNormal>Bevor ein Unternehmen den Gang an die Börse wagen kann, muss es die Nachhaltigkeit seines Geschäftsmodells dokumentieren. Ein pragmatischer Anhaltspunkt ist hierbei die 50-2-50-Regel, wie die Fondsgesellschaft Union Investment empfiehlt. Der Börsenkandidat sollte einen Umsatz von mindestens 50 Millionen Euro mitbringen, seit mindestens 2 Jahren Gewinne ausweisen und mindestens 50 Vollzeitkräfte beschäftigen. Denn ohne einen Mindestumsatz von rund 50 Millionen Euro und 50 Beschäftigte bringt ein Unternehmen kaum die notwendige kritische Masse auf die Waagschale. Zudem sollte das Geschäftsmodell mit einem zweijährigen Gewinnausweis seine Funktionsfähigkeit bereits bewiesen haben. "Die Börse eignet sich nicht als Labor für unternehmerische Experimente. Für die Risiken von Wagnisfinanzierungen sind echte Venture-Kapitalgesellschaften besser geeignet", urteilt Jens Wilhelm, Leiter Aktienfonds bei Union Investment. </P><P class=MsoNormal>An die Zukunft denken </P><P class=MsoNormal>Ist die 50-2-50-Regel erfüllt, gilt es, die weichen Faktoren auf ihre Börsentragfähigkeit zu überprüfen. Hier steht die Kompetenz des Managements an erster Stelle. Ein entsprechendes Zukunftspotenzial des Marktes, in dem der Börsenkandidat agiert, ist eine weitere zwingende Voraussetzung, die vor einem Börsengang erfüllt sein muss. "Ein Geschäftsmodell, das ohne nennenswerte Kosten nahezu beliebig kopiert werden kann, besitzt keinen dauerhaften Wert", erläutert Wilhelm. Angemessene Markteintrittsbarrieren sollten deshalb die Geschäftstätigkeit des Unternehmens sichern.</P><P class=MsoNormal>Der faire Preis</P><P class=MsoNormal>Steht fest, dass ein Unternehmen den Gang an die Börse erfolgversprechend wagen kann, stellt sich die Frage nach dem "richtigen" Kurs. Hierbei müssen die Interessen des Emittenten und auch die der Käufer miteinander vereinbart werden.</P><P class=MsoNormal>So muss der Preis des Börsenneulings mit den Kursen bereits börsennotierter Konkurrenten im Einklang stehen. Werden etablierte Firmen aus der gleichen Branche beispielsweise mit dem Zehnfachen ihres Jahresgewinns bewertet, wäre das Elffache des Jahresgewinns als Ausgabepreis für die Aktien eines Debütanten überteuert.</P>

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