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Atlante ist ein aktuelles Projekt einer kleinen Drohne von Cassidian. Auftraggeber ist der spanische Staat, der das propellergetriebene, unbemannte Flugzeug für militärische und zivile Einsätze vorgesehen hat.

Nachfolger des Eurofighter

EADS: Neuer Anlauf für die Europa-Drohne

München - Die Zukunft der bayerischen Luftfahrtindustrie hängt an einem Nachfolgeprojekt für den Eurofighter. Die EADS-Drohne „Talarion“ wird es wohl nicht geben, doch vielleicht einen Ersatz – wenn die Politik mitspielt.

Talarion war bisher das einzige Projekt, das die Luftfahrtindustrie in Bayern langfristig sichern könnte. Doch weil die deutsche Politik mauerte und Aufträge ausblieben, wird es diese Aufklärungsdrohne nicht geben. Dem Standort Manching bei Ingolstadt, wo derzeit der Eurofighter montiert wird, droht damit das Aus. Doch jetzt keimt Hoffnung auf. Diese beruht auf einem Konzept-Flugzeug, das aussieht wie ein Zwillingsbruder von Talarion und ihm auch technisch zum Verwechseln ähnelt. Nur wird es schlicht „Future European Male“ genannt.

Denn „Talarion“, ist bei EADS tabu. Das bisherige Lieblingsprojekt der Konzerntochter Cassidian ist politisch verbrannt. Die Politik hat signalisiert: Nicht Talarion, sondern nur eine gemeinsame europäische Hightech-Drohne hat eine Chance. Und daran soll möglichst die Luftfahrtindustrie des ganzen Kontinents beteiligt sein.

Damit wäre auch Dassault (Frankreich) an Bord. Die Rafale, ein Jagdflugzeug der Franzosen, wetteifert aber mit dem Eurofighter, an dem Cassidian maßgeblich beteiligt ist, erbittert um Aufträge. Nun müssen die Rivalen wohl zusammenarbeiten.

Als sicher gilt derzeit zumindest für die Militärs, dass an einer eigenen europäischen Drohne der Talarion-Größenordnung kein Weg vorbeiführt. Denn die derzeitigen Angebote aus den USA und aus Israel, sind für Europa ungeeignet – und bestenfalls eine Übergangslösung. Sie sind für Gebiete konzipiert, die für den sonstigen Luftverkehr gesperrt sind. Solche Sperrungen sind im überfüllten Luftraum Europas undenkbar. Dicht auf dicht sind auch zivile Flugzeuge unterwegs – Drohnen und Flugzeuge mit Piloten an Bord dürfen sich nicht in die Quere kommen. Dafür sind völlig andere Probleme zu meistern, als sie Amerikaner und Israelis hatten.

Doch die Schwierigkeit ist auch eine große Chance. Flugzeuge, die sich ohne Piloten an Bord in den zivilen Luftraum einfügen, werden bald auch zivile Varianten nach sich ziehen. Es können unbemannte Frachtflugzeuge entwickelt werden oder Systeme, die Passagierflugzeuge noch sicher landen können, wenn beide Piloten ausfallen. Die Europa-Drohne würde auch der zivilen Luftfahrtindustrie einen Vorsprung sichern.

Allerdings drängt die Zeit. 2016 hätte Talarion fliegen können – wenn 2009 der Entwicklungsauftrag dazu erteilt worden wäre. Jetzt ginge vor 2020 nichts mehr. Sechs Jahre Entwicklungszeit gelten als Minimum. Und mit jedem Jahr Verzögerung wird die europäische Industrie international weiter abgehängt. Doch eine rasche Entscheidung würde wohl in den deutschen Wahlkampf fallen.

Besonders spannend dürfte das in Bayern werden, wo Bundestags- und Landtagswahl fast zusammenfallen und unterschiedliche Interessen aufeinanderprallen. Im einen Fall geht es um ein teures und letztlich unpopuläres Rüstungsprojekt, im zweiten Fall um die Existenz von tausenden hochqualifizierten Arbeitsplätzen in der Heimat von Ministerpräsident Horst Seehofer.

Um Kampfdrohnen, von denen immer wieder die Rede ist, handelt es sich bei keinem aktuellen Projekt. Diese künftigen Geräte sind noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium, werden aber, so erwarten die meisten Experten, die gegenwärtigen Kampfflugzeuge spätestens 2030 bis 2050 ablösen. Denn unbemannte Flugzeuge sind zu Flugmanövern fähig, die einen Menschen an Bord binnen Sekunden außer Gefecht setzen oder gar töten würden. Gegen diese Drohnen sähen auch die Rafale und der Eurofighter – die derzeit wendigsten europäischen Kampfflugzeuge – ziemlich alt aus.

Martin Prem

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