Neuer Bankenriese: Was aus den Chefs und ihren Mitarbeitern wird

- München - Die Gespräche über eine mögliche Übernahme der HypoVereinsbank (HVB) durch die italienische Unicredito ziehen sich offenbar in die Länge. Zwar meldete eine Nachrichtenagentur am Montag, dass bereits heute oder am Mittwoch eine Entscheidung fallen könnte. Aus dem Münchner Konzern hieß es jedoch: "Diese Woche wird das nichts mehr." In den letzten Tagen hatten sich Marktgerüchte gehalten, dass bis zu diesem Wochenende die Fusion der Institute bekannt gegeben wird.

Aber trotz der Verzögerung gilt ein Zusammengehen der Institute als immer wahrscheinlicher. "Das ist ziemlich sicher", meinte ein hochrangiger Ex-Mitarbeiter der HVB auf Nachfrage. Der Unicredito-Präsident Carlo Salvatori sagte der Mailänder Zeitung "Corriere della Sera", dass er eine baldige Entscheidung für möglich hält. Und aus dem Verhandlungsumfeld verlautbarte: "Man ist schon sehr weit." Unsere Zeitung fasst zusammen, was aus den geheimen Gesprächen bislang nach außen drang.<BR><BR> Das Angebot: Seit Wochen sprechen HVB-Vorstand Dieter Rampl und Unicredito-Chef Alessandro Profumo, die sich schon lange kennen und schätzen, über einen Zusammenschluss der Institute. Offiziell bestätigt wurden die Verhandlungen am Montag voriger Woche.<BR><BR>Wie bekannt wurde, plant die Nummer eins auf dem italienischen Bankenmarkt die deutsche Nummer zwei durch einen Aktientausch zu schlucken. Die Verhandlungsbasis liegt bei fünf Unicredito-Aktien für ein HVB-Papier, das heißt, die Münchner Bank würde mit 16,5 Milliarden Euro bewertet. Kommt es zur Fusion, wäre es die bisher größte im europäischen Finanzsektor.<BR><BR> Die Folgen: Beide Institute würden zu einem Bankenriesen verschmelzen, der im zukunftsträchtigen Osteuropa zum Marktführer aufsteigt. In Kroatien kämen beide Geldhäuser nach Konzern-Angaben auf einen Marktanteil von 35 Prozent, in Polen von 25 Prozent und in Bulgarien von 20 Prozent.<BR><BR> Die künftigen Chefs: Es gilt als sicher, dass Profumo die Bankengruppe als "Chief Executive Officer" (Vorstandschef) leiten würde. Für Rampl ist der Aufsichtsrats-Vorsitz vorgesehen. Zudem zeichnet sich ab, dass HVB-Vorstandsmitglied Stefan Jentzsch eine tragende Rolle spielen wird, da der von ihm geleitete Bereich Kapitalmärkte bei Unicredito bislang nicht existiert. Für die übrigen HVB-Vorstände wie die populäre Christine Licci, die erst im Januar zur Bank stieß, sind noch keine Perspektiven bekannt.<BR><BR>Unsicher ist auch, was aus dem HVB-Aufsichtsratschef und ehemaligen Vorstand Albrecht Schmidt wird. Die "Frankfurter Allgemeine" berichtete, er würde eine Fusion mittragen, dann aber aus der Bank ausscheiden. "Der Spiegel" hingegen hatte geschrieben, Schmidt sträube sich gegen die Fusion, weil er dann seinen Posten verlieren würde. Tatsächlich aber könnte er theoretisch sein Amt behalten, wie es in dem Kontrollgremium heißt.<BR><BR> Möglicher Stellenabbau: Ob in der 57 000 Mitarbeiter starken Belegschaft der HVB Stellen wegfallen, ist noch nicht bekannt. Es wird aber darüber spekuliert, dass bei der HVB in Deutschland weitere Streichungen nötig sind. Beobachter sprechen von einem "Wasserkopf" in der Verwaltung, der bei der Fusion von Vereinsbank und Hypobank entstand und nicht beseitigt wurde. "Damals wurde zu wenig gemacht", heißt es.<BR><BR>Die Arbeitnehmer-Vertreter im HVB-Aufsichtsrat wollen bei einer Fusion dennoch eine Beschäftigungsgarantie aushandeln. "Wir wollen, dass die Arbeitsplätze in Deutschland gesichert werden", sagte Klaus Grünewald, der für die Gewerkschaft Verdi in dem Kontrollgremium sitzt.

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