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Der neue BayernLB-Chef Gerd Häusler übernimmt heute offiziell das Ruder bei der gebeutelten Landesbank.

Neuer BayernLB-Chef Häusler tritt Amt an

München - Der neue BayernLB-Chef Gerd Häusler übernimmt heute offiziell das Ruder bei der gebeutelten Landesbank. Und er hat einen Plan, wie er die Bank aus der Krise holen will.

Der neue BayernLB-Chef Gerd Häusler will die gebeutelte und mit Steuermilliarden gestützte Landesbank wieder in die Gewinnzone führen und für Investoren attraktiv machen. “Wir müssen die Bank fest in einer Zone schwarzer Zahlen etablieren“, sagte Häusler am Donnerstag in München bei seinem Amtsantritt. Das sei seine Pflichtaufgabe in den kommenden Jahren. Die Kür sei, die Rentabilität der landeseigenen Bank so zu steigern, dass ein Eigentümerwechsel möglich werde, sagte der 58 Jahre alte Manager. Häusler bekräftigte die Einschätzung, dass die Bank in diesem Jahr nach zwei verlustreichen Jahren wieder einen Gewinn verbuchen wird.

Bayern hatte die in der Finanzkrise in Schieflage geratene Bank unter anderem mit rund 10 Milliarden Euro frischem Kapital vor dem Untergang bewahrt und ist nun Haupteigner der Krisenbank. Häusler sagte, er sehe sich nun vor allem als Sachwalter für die Interessen des Steuerzahlers. “Der Freistaat soll sich schrittweise zurückziehen können und sein jüngst eingesetztes Kapital soweit wie irgend möglich zurückerhalten.“ Häusler hält einen Zeitrahmen von drei bis vier Jahren für einen Verkauf für realistisch.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) betonte das Ziel Bayerns, sich von der Mehrheit an der Bank zu trennen, sobald dies wirtschaftlich vertretbar sei. Die jüngsten Zahlen der Bank stimmten ihn vorsichtig optimistisch. Für die Bank gehe es nun darum, in enger Abstimmung mit der Europäischen Union den Umbau des Instituts konsequent voranzutreiben. Einen radikalen Schwenk in der Ausrichtung der Bank werde es dabei nicht geben, sagte Häusler. Die EU lasse nur wenig Spielraum bei der Gestaltung des Geschäftsmodells. So werde er vor allem das Geschäft mit dem Mittelstand ausbauen, von zentraler Bedeutung bleibe die Betreuung von Großkunden, sagte Häusler.

Unterdessen geraten bei der Aufarbeitung des Milliardendebakels der BayernLB mit der österreichischen Hypo Alpe Adria (HGAA) drei prominente CSU-Politiker in Erklärungsnot. Der damalige Wirtschaftsminister Erwin Huber, der damalige Innenminister Günther Beckstein und der damalige Innenstaatssekretär Georg Schmid hätten im Jahr 2007 bei fast allen Verwaltungsratssitzungen gefehlt, bei denen es um den Kauf der HGAA ging, schrieb die “Süddeutsche Zeitung“. Huber und Beckstein seien bei keiner dieser sechs Sitzungen gewesen, hieß es unter Berufung auf die Sitzungsprotokolle. Die Protokolle belegen dabei dem Bericht des Blattes zufolge, dass der damalige BayernLB-Chef Werner Schmidt dem Aufsichtsgremium weder den Kaufvertrag noch Berichte von Wirtschaftsprüfern vorlegen musste.

Die Grünen im Landtag warnten vor zu hohen Erwartungen. “Die BayernLB war vor der Krise acht Milliarden wert und ist nach der Krise acht Milliarden wert - die zehn Milliarden sind also weg“, sagte Finanzexperte Eike Hallitzky. Seehofer und Häusler sollten hier den Leuten keinen Sand in die Augen streuen. Die SPD-Abgeordnete Inge Aures bezeichnete die stärkere Ausrichtung der Bank auf die Mittelstandsfinanzierung als längst überfällig. Die Freien Wähler kritisierten Huber, Beckstein und Schmid scharf: “Diese Leute hätten jeden Kegelclub ruiniert“, teilte der Vorsitzende Hubert Aiwanger mit und sprach sich gegen einen Verkauf der BayernLB aus.

Die BayernLB hatte nach dem Fehlkauf der österreichischen Hypo Group Alpe Adria (HGAA) im vergangenen Jahr einen Verlust von 2,6 Milliarden Euro eingefahren. In ihrem Kerngeschäft verbuchte die Bank allerdings einen operativen Gewinn von 885 Millionen Euro. Angesichts des HGAA- Debakels, das den Steuerzahler bisher rund 3,7 Milliarden Euro kostete, musste Ende 2009 Häuslers Vorgänger Michael Kemmer zurücktreten. Zuvor hatte die Bank die HGAA notgedrungen an Österreich abtreten müssen. Seither hatte Finanzvorstand Stefan Ermisch die Bank kommissarisch geleitet. Häusler war im Januar berufen worden und saß zuvor einige Monate im Verwaltungsrat der Bank. Der erfahrene Bankmanager gilt als Seehofers Wunschkandidat.

dpa

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