Neuer Boom: Betrüger locken mit vermeintlicher Kapitalgarantie

- Niedrige Zinsen und steigende Risikobereitschaft vieler Anleger bescheren zwielichtigen Anbietern auf dem grauen Kapitalmarkt einen neuen Boom. Im Mittelpunkt stehen dabei derzeit Inhaber-Schuldverschreibungen, bei denen Unternehmen Anleger mit hohen Zinsen und vermeintlicher Kapitalgarantie locken. "Die Zahl unseriöser Angebote wächst rapide, zumal diese Anlagen von der Finanzdienstleistungsaufsicht nicht kontrolliert werden", sagt Volker Pietsch, Leiter des Deutschen Instituts für Anlegerschutz (DIAS).

Für Furore sorgt der Fall eines Berliner Anbieters von Inhaber-Teilschuldverschreibungen. Der hatte Anlegern 8,25 Prozent Zinsen versprochen sowie eine Bonuszahlung von zehn Prozent bei vollständiger Kapitalgarantie. Laut Pietsch hat das Unternehmen die Anleger jedoch getäuscht, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Schätzungsweise 30 000 Anleger haben laut DIAS 70 Millionen Euro investiert. "Die Chance, dass sie ihr Geld wiedersehen, ist gleich null", sagt Pietsch.

Inhaber-Schuldverschreibungen mit bis zu fünfjähriger Laufzeit werden laut DIAS derzeit von zahlreichen Unternehmen angeboten, beispielsweise aus dem Solar- oder Immobilienbereich. Damit leihen sie sich Geld bei Privatinvestoren, die versprochene Verzinsung liegt meist zwischen 5,5 und 8,25 Prozent. Den Anlegern werde suggeriert, dass es sich um eine garantierte Verzinsung handle, dabei sei die Rückzahlung meist nur nach dem Schneeballprinzip möglich, betont Pietsch. "Die Zinsen werden zunächst aus den Einzahlungen neu geworbener Anleger gezahlt, doch später bricht das ganze System in sich zusammen und das Geld ist weg."

Zwar gebe es durchaus auch seriöse Anbieter, die zu erkennen sei für unerfahrene Anleger aber äußerst schwierig. Die Schutzgemeinschaft der Kleinanleger (SdK) schätzt die Zahl der unseriösen Anbieter von Inhaber-Schuldverschreibungen auf 20 bis 30. Zu den betrügerischen Offerten zählten beispielsweise Anlagen, die Gelder für angebliche Immobilien-Zwangsversteigerungen einsammelten. "Hier wird den Investoren suggeriert, man betreibe ,Immobilien-Daytrading’, aber das gibt es gar nicht", sagt Christoph Öfele, Leiter des Anlageschutzarchivs der SdK.

Vielfältige Betrugsvarianten

Auch im Bereich Aktien gibt es laut Öfele vermehrt windige Angebote kleiner Unternehmen, die aggressiv mit hohen Renditeversprechen werben. Dabei handle es sich meist um Papiere, die im Freiverkehr gehandelt würden. Hier sei das Verlustrisiko groß, denn im Unterschied zum geregelten Markt würden im Freiverkehr zahlreiche Regelungen zum Anlegerschutz keine Anwendung finden. Die Berliner Verbraucherzentrale (VZ) warnte jüngst vor einem Schreiben aus Russland. Darin erklärte ein Unternehmen, es wolle Waren nach Deutschland exportieren und suche dafür Personen, die ihr Konto zur Verfügung stellten, damit die Firma keine teuren Auslandsüberweisungen tätigen müsse. Acht Prozent der Summe sollten Gutgläubige dabei verdienen können.

Ein anderer Anbieter warb laut VZ für stille Beteiligungen an einer Internet-Casino-Kette. Für 2500 Euro Mindesteinlage seien monatliche Ausschüttungen zwischen knapp 400 und 1500 Euro möglich. Dubios erschien diese Offerte auch deshalb, weil man das Geld direkt auf das Konto des Firmendirektors überweisen sollte. Nahezu alle bekannten betrügerischen Anlagevarianten werden laut SdK weiterhin angeboten. Dazu zählten immer neue Betrugsmanöver der "Nigeria-Connection", aber auch vorbörsliche Angebote, Warentermin- und Optionsgeschäfte sowie zweifelhafte Immobilien-Angebote. Vielfach werden sie über "cold calling" angeboten, also über verbotene ungebetene Anrufe von Vermittlern. "Und die machen zunehmend gute Geschäfte, denn abenteuerliche Renditeversprechen haben wieder Konjunktur", sagt Öfele.

www.dias-ev.de

www.anlageschutzarchiv.de

www.verbraucherzentrale.de

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