Neuer Chip macht Karten sicherer

- Manipulationen an Geldautomaten nehmen immer größere Ausmaße an. Während 2006 in Bayern im gesamten Jahr 38 Mal Geldautomaten verändert wurden, um Geheimnummern auszuspähen und Karten zu kopieren, waren es heuer bis Mitte Juni bereits 30 Fälle. Eine neue Technologie soll Kunden besser vor Betrügern schützen.

Die Manipulation von Geldautomaten ist in den vergangenen Jahren in Deutschland zur organisierten Kriminaliät geworden. Wie Ludwig Waldinger von der Kripo erklärt, machen sich vor allem Osteuropäer an deutschen Automaten zu schaffen. Weit verbreitet ist dabei das sogenannte "Skimming" (vom englischen to skim = abschöpfen). Dafür montieren die Täter vor den Einschiebeschlitz, in den man seine Bankkarte einführt, ein kleines Lesegerät mit Chip. Die Daten der EC-Karten werden kopiert und später auf einen Kartenrohling übertragen. Die zugehörige Geheimnummer (PIN) bekommen die Kriminellen durch Minikameras, anwesende Personen oder eine falsche Tastatur, die die Ziffernfolge speichert. Die Signale werden sofort per Funk an ein Bandenmitglied übertragen.

Da deutsche Geldautomaten nicht nur den Magnetstreifen lesen, sondern meist auch die Echtheit der Karte prüfen, übermitteln die Betrüger die Daten ins Ausland. Ausländische Geldautomaten erkennen in der Regel nicht, ob es sich um eine Originalkarte handelt. Vor allem in Südafrika kommen die Dubletten oft zum Einsatz. Heuer wurden dort bereits 49 Betrugsfälle mit deutschen Daten registriert. Dahinter folgt die Türkei mit 16 Fällen und England mit 13. Das Problem dabei: Der Geschädigte besitzt noch seine Originalkarte und merkt erst, wenn er die Kontoauszüge überprüft, dass sein Konto geplündert wurde.

Mit einer neuen Technologie wollen Experten die sich ausbreitende Bandenkriminalität eindämmen. In den kommenden Jahren sollen laut Margit Schneider, Sicherheitsexpertin von Euro Kartensysteme in Frankfurt, in ganz Deutschland sogenannte EMV-Chips auf allen Karten sein. Auf diesen Standard haben sich Europay, Mastercard und Visa geeinigt. "Mit dieser neuen Technologie können Kriminelle dann europaweit Dubletten nicht mehr einsetzen", erklärt Schneider. Die Umrüstung kostet allerdings viel Geld. Denn alte Automaten können nicht nachgerüstet werden. Im Schnitt rechnet Schneider mit rund 2000 Euro für jeden der 52 000 Geldautomaten in Deutschland. Zudem müssen nach und nach alle 90 Millionen EC-Karten in Deutschland ausgetauscht werden.

Der Haken dabei ist: Da für diese neue Technologie viel Geld investiert werden muss, werden jetzt nicht mehr alle Automaten beispielsweise mit Anti-Skimming-Modulen gegen Manipulationen geschützt. Deshalb empfiehlt es sich auf jeden Fall, beim Geldabheben besonders aufmerksam zu sein.

Falls man am Automaten etwas Ungewöhnliches bemerkt, sollte man ­ falls geöffnet ­ in der Filiale Bescheid geben und die Polizei verständigen. Beim Eingeben der PIN ist es laut Schneider Pflicht, die Hand oder das Portemonnaie über die Tastatur zu halten. Zu dicht aufgerückte Personen sollte man bitten, einige Schritte zurückzutreten. Auf gar keinen Fall darf man am Türöffner seine PIN eingeben: Keine Bank lässt Kunden erst nach Eingabe der Geheimzahl ein. Grundsätzlich empfiehlt sich, die Karte unmittelbar nach Erhalt zu unterschreiben. Kreditkarten sollten nie als Sicherheit hinterlegt werden. Karten und Geheimnummern müssen getrennt voneinander aufbewahrt werden, PINS dürfen keiner dritten Person verraten werden. Falls die Karte abhanden kommt, muss man dies sofort bei der Bank oder bei den zentralen Sperrnummern (siehe Kasten) melden. Denn erst nach der Kartensperre decken Banken den Schaden ab.

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