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Tritt in den Hintergrund: Landesbankchef Gerd Häusler (2.v.l.) wechselt in den Aufsichtsrat und macht für Johannes-Jörg Riegler (2.v.r.) Platz, auf den sich Finanzminister Markus Söder (r.) und Sparkassenpräsident Theo Zellner (l.) geeinigt haben.

BayernLB

Neuer Landesbank-Chef will Kurs beibehalten

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München - Die Bayerische Landesbank hat einen neuen Chef: Johannes-Jörg Riegler will den Kurs seines Vorgängers Gerd Häusler fortsetzen. Häusler wechselt in den Aufsichtsrat – gegen die Regeln der guten  Unternehmensführung.

Gerd Häusler war nicht bei der Bundeswehr, er hatte seine Pflicht durch zehn Jahre beim Technischen Hilfswerk abgeleistet – dachte er. Doch dann wurde er doch noch eingezogen, vom Ministerpräsidenten persönlich. Anfang 2009 war das. Er werde „nach vier Jahren Wehrdienst“, seinen Posten am 31. März räumen, bekräftigte Häusler gestern bei der Vorstellung seines Nachfolgers. Die Kaserne, in der Häusler im übertragenen Sinn Dienst schieben musste, ist die Bayerische Landesbank. Häusler hatte direkt im Schützengraben begonnen. Er habe die Bank „in einem existenziell schwierigen Zustand“ übernommen und eine „überragende Leistung in schwieriger Zeit“ abgeliefert, lobte Finanzminister Markus Söder (CSU) Häusler. Damals war die Bank gerade mit zehn Milliarden Euro vom Freistaat gerettet worden.

Eigentlich wollte Häusler die Uniform schon drei Monate früher an den Nagel hängen, doch es war nicht einfach, jemanden zu finden, der das Ruder bei der BayernLB übernehmen wollte – zumindest für das in der Bankenbranche vergleichsweise schmale Salär von einer halben Million Euro im Jahr. Doch nun sind die Eigentümer der Bank, der Freistaat und die bayerischen Sparkassen, fündig geworden. Johannes-Jörg Riegler, 49, bisher Vizechef der NordLB, soll am 1. April übernehmen. „Wir haben eine klare Strategie für die Landesbank und die muss auch weitergehen“, forderte Söder. Mit Riegler habe sich nun sein Wunschkandidat durchgesetzt, schließlich sei der nicht nur im Sparkassengeschäft, sondern auch im Risikomanagement erfahren – und Risiken gibt es bei der BayernLB schließlich noch immer mehr als genug. „Dass er auch noch Franke ist, finde ich per se schon mal gut“, sagte der nordbayerische Minister. „Ein Franke in der Landesbank, ein Franke im Finanzministerium – das kann nur eine erfolgreiche Achse sein.“

Doch auch der Oberpfälzer Theo Zellner, Präsident des Sparkassenverbandes, ist mit der Wahl einverstanden. Die bayerischen Sparkassen halten inzwischen wieder knapp 25 Prozent der Anteile an der Landesbank. „Die Sparkassen sind froh, dass das Vakuum beendet ist“, sagt Zellner. Riegler sei ein „ausgewiesener Finanzfachmann“ und kenne sich auch mit den Sparkassen aus. Mit denen kam er schon früh in Kontakt: Sein erstes Praktikum habe er mit 17 bei der Kreissparkasse Schweinfurt gemacht, erzählt Riegler. Am Anfang seiner Karriere war der studierte Jurist aber erst als Anwalt tätig, bevor er 1993 zur Deutschen Bank ging. Zehn Jahre später wechselte er zur Westfalenbank, 2005 begann er seine Landesbank-Laufbahn bei der NordLB im Vorstand.

Am Mittag stellte sich Riegler auch noch bei der Personalversammlung im Arabella-Sheraton-Hotel einigen hundert Mitarbeitern vor. Viel verändern will der designierte Chef offenbar nicht. „Es ist eine große Herausforderung, aber auch eine große Ehre hier arbeiten zu dürfen“, sagte er am Morgen bei seiner offiziellen Vorstellung. „Ich habe keinen Kurswechsel bei irgendwas anzumelden.“ Dazu gehöre auch das bereits angekündigte Sparprogramm, wodurch wohl noch einmal Stellen wegfallen werden bei der Landesbank. Sein Vorgänger habe „sehr vernünftige Arbeit geleistet, die will ich fortführen“, betonte Riegler.

Der Vorgänger wird ihm dabei auch genau auf die Finger schauen. Denn Gerd Häusler soll schon ein halbes Jahr nach seinem Rücktritt als Vorstandsvorsitzender an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln – und dann seinen Nachfolger kontrollieren. Zwar betonte Söder, das halbe Jahr zwischen Rücktritt und neuem Posten solle „bewusst Abstand“ schaffen. Doch eigentlich sehen die Regeln für gute Unternehmensführung, der sogenannte Corporate-Governance-Kodex, mindestens zwei Jahre Karenzzeit für scheidende Vorstände vor. Die Regeln würden nur für Aktiengesellschaften gelten, außerdem könne man sie außer Kraft setzen, wenn 25 Prozent der Aktionäre dafür sind, argumentiert Söder. Da tut sich der Freistaat leicht, dem mehr als 75 Prozent der Bank gehören. „Ein halbes Jahr tut gut, aber wir wollen ihn langfristig an die Bank binden“, sagte der Minister. „Wir brauchen ihn bei schwierigen Fragen, wie der HGAA.“ Die österreichische Hypo Group Alpe Adria ist eines der größten Risiken, die der ehemalige Risikomanager Riegler bearbeiten muss. In mehreren Prozessen streiten die beiden Institute um Milliarden.

Riegler wird diese Aufgaben zusammen mit dem neuen Finanzvorstand Markus Wiegelmann angehen. Wiegelmann steigt intern auf und ersetzt den bisherigen Finanzchef Stephan Winkelmeier, der die BayernLB ebenfalls im April verlässt.

Der Finanzminister gab gestern auch zu, dass es nicht leicht war, einen angemessenen Nachfolger für Häusler zu finden. „Wir wollen Spieler wie Bayern München haben, aber können nicht annähernd so viel zahlen“, sagt Söder. Man müsse daher „innovative“ Lösungen finden. Die bieten offenbar die Pensionsansprüche der Vorstände. Häusler soll nach einem Bericht der „FAZ“ üppige Ruhestandsbezüge erwarten, die das gedeckelte Gehalt von einer halben Million zumindest teilweise ausgleichen. Häusler selbst betonte gestern, er habe „eine Pensionsregelung vorgefunden“. Sprich: Die Regelung stammt noch aus der Zeit seiner Vorgänger – der Zeit vor der Finanzkrise und der Staatsrettung der BayernLB.

Philipp Vetter

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