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Ausgegliedert in die neue Firma Premium Aerotec: Die drei deutschen EADS-Werke Augsburg, Nordenham (im Bild) und Varel bilden nun einen der größten Luftfahrzulieferer der Welt. Dessen Zentrale wird in Bayern angesiedelt.

EADS-Werke ausgegliedert

Neuer Luftfahrt-Gigant in Bayern

München – Als neu gegründete Premium Aerotec sollen drei heimische Zulieferwerke von Eads und Airbus nun zum Erfolgsmodell werden. Es herrscht Zuversicht. Noch steht aber vor allem die technologische Nagelprobe aus.

Voriges Jahr galten sie als unverkäuflicher Problemfall. Nun sind drei deutsche Fabriken des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns Eads sowie seiner Tochter Airbus als neu gegründete Premium Aerotec mit viel Vorschusslorbeer als global zweitgrößter Luftfahrzulieferer an den Start gegangen. „Wir stehen solide da“, betonte Firmenchef Hans Lonsinger am Sitz des neuen Unternehmens in Augsburg. Trotz Finanzkrise und Rezession seien die Auftragsbücher für drei bis vier Jahre voll und die Beschäftigung der 6100 Stammkräfte sowie 900 Leiharbeiter bis 2013 gesichert.

Das sehen auch Gesamtbetriebsratschef Thomas Busch und Jürgen Kerner von der IG Metall so. Über dem Start der nun unter einem Dach arbeitenden drei Werke in Augsburg (Bayern), Varel und Nordenham (Niedersachsen) liege kein Schatten, weil der Mutterkonzern Eads ihnen Garantien und eine Mitgift von insgesamt einer Milliarde Euro auf den Weg gegeben habe. Die eine Hälfte wird in neue Komponentenfertigung vor allem für das Airbus-Zukunftsprojekt A350 investiert. Die andere Hälfte fließt in Forschung und Entwicklung. Entscheidend für die Zukunft von Premium Aerotec ist das Langstreckenflugzeug A350, für das der neue Konzern Rumpfteile liefern, neue Faserverbundwerkstoffe entwickeln und damit technologisches Neuland betreten soll. Das wissen alle Beteiligten.

Wie schwer kalkulierbar Luftfahrttechnik ist, haben Manager und Belegschaft bei den Turbulenzen um das weltgrößte Passagierflugzeug A380 erlebt, die sich beim geplanten Militärtransporter A400M gerade zu wiederholen drohen. Ähnlich anspruchsvoll ist die A350 und deren Technik. Experten halten die Startchancen von Premium Aerotec gemessen an der katastrophalen Vergangenheit und der globalen Rezession zwar für durchaus gut. Garantiert sei ein Erfolg aber keinesfalls. Der Zulieferer, der derzeit auf etwa eine Milliarde Euro Umsatz kommt, über 3,5 Milliarden Euro Auftragsbestand verfügt und im Ergebnis 2009 mit einer schwarzen Null kalkuliert, müsse sich über die A350 beweisen, um wirklich als Haus- und Hoflieferant von Airbus unabhängig werden und künftig auch den Konkurrenten Boeing beliefern zu können. Dem pflichtet Lonsinger bei. Die Zukunft beginne so gesehen Mitte 2010, wenn die „technologisch sehr anspruchsvollen“ Fertigungslinien für die A350-Komponenten in Betrieb gehen. Dann wolle sich Premium Aerotec auch um Aufträge für den Nachfolger der Boeing 737 bewerben und global wachsen.

Falls Premium Aerotec mit Boeing groß ins Geschäft kommt, ist ein neues Werk in den USA angedacht. Schon jetzt geplant ist eine Fabrik am Billiglohnstandort Rumänien. Das soll aber nicht auf Kosten der heimischen Belegschaft gehen, wurde dem Betriebsrat zugesichert. Perspektivisch will es Lonsinger mit dem weltgrößten Luftfahrtzulieferer Spirit Aerosystems aufnehmen, der 2008 die drei deutschen Werke kaufen wollte, aber letztlich daran gescheitert ist. Spirit setzt derzeit das Vierfache des neuen deutschen Rivalen um und ist eine frühere Ausgründung von Boeing.

von Thomas Magenheim-Hörmann

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