Neuer Mann, neue Ära: Aktionäre feiern den Chef der Allianz

- München - Michael Diekmann kann mit seinem ersten Jahr als Vorstandschef der Allianz zufrieden sein. Unter seiner Führung hat der Finanzkonzern die Trendwende geschafft, und zur Hauptversammlung konnte Diekmann einen überraschend hohen Gewinn im ersten Quartal präsentieren. Die Aktionäre sparten nicht mit Lob.

<P>"Mit Diekmann beginnt eine neue Ära bei der Allianz", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Die Offenheit und Zielstrebigkeit des 48-jährigen Konzernchefs hätten sie beeindruckt: "Man sieht, dass man hier auf dem richtigen Weg ist." Auch Klaus Schneider, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, sagte: "Die Zahlen stimmen uns zuversichtlich."<BR><BR>Mit einem Jahresgewinn von 1,6 Milliarden Euro trat Diekmann zum ersten Mal vor die Hauptversammlung. Im Vorjahr hatten die Aktionäre noch einen Verlust von 1,2 Milliarden zu beklagen gehabt. Und mit einem Überschuss von 650 Millionen Euro im ersten Quartal des laufenden Jahres überraschte der Allianz-Chef Aktionäre wie Analysten. Auch das Sorgenkind Dresdner Bank sieht Licht am Ende des Tunnels: Nach anderthalb Jahren mit tiefroten Zahlen konnte sie erstmals einen kleinen Gewinn beitragen.<BR><BR>Aber Diekmann selbst dämpfte die Hoffnungen gleich wieder. Die Allianz habe die Trendwende zwar geschafft. Aber um international wieder zu den erfolgreichsten Finanzdienstleistern zu gehören, müsse sie sich noch gewaltig anstrengen. Eine Jahresprognose lehnte er ab.<BR><BR>Die Aufholjagd sei auch von glücklichen Umständen begünstigt gewesen, sagte Bergdolt. Mit Naturkatastrophen wie in einem durchschnittlichen Jahr wäre der Gewinn 2003 um ein Viertel niedriger gewesen, antwortete Diekmann.<BR><BR>Im Mittelpunkt der Kritik stand die Dresdner Bank. Sie sei die "Achillesferse" der Allianz, ein "Fass ohne Boden", sagten die Aktionärsvertreter. Für 25 Milliarden Euro hatte die Allianz die Bank vor drei Jahren gekauft, weitere 2,8 Milliarden Euro hat sie seither an Verlusten beigetragen. "Zu viel Ertragskraft der Allianz verabschiedet sich durch die Löcher der Dresdner", klagte Bergdolt, und Schneider sagte voraus, "dass wir zu unseren Lebzeiten keine angemessene Rendite mehr sehen werden". Aber Diekmann hielt unbeirrt an der Allfinanz-Strategie fest. Sie habe ein großes Potenzial.<BR><BR>Viel Beifall von den versammelten 6000 Aktionären bekamen Redner, die ein Missverhältnis von Leistung und Vorstandsgehältern kritisierten. Ein Durchschnittsgehalt von 1,7 Millionen Euro sei einfach maßlos. Wie katastrophal müsse das Ergebnis eigentlich sein, damit der Bonus auf null gehe, fragte ein wütender Kleinaktionär. Diekmann gab Auskunft: Wenn nicht mindestens 70 Prozent der Drei-Jahres-Ziele erreicht werden, ist der Bonus futsch.<BR><BR>Beifall, wenngleich mitunter höhnischer Art, erntete die Bekanntgabe einer Personalie: Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp wird zum 30. Juni aus dem Allianz-Aufsichtsrat ausscheiden, um sich stärker um die Belange seines Autokonzerns zu kümmern. Die Aktionäre applaudierten und das Kontrollgremium bedauerte die Entscheidung - hatte aber Verständnis für die Gründe.<BR></P><P> </P>

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