Ein neuer Pass für den Klimaschutz

München - Der Energieausweis ist endgültig beschlossen. Ab Juli 2008 wird er stufenweise eingeführt. Die Bundesregierung erhofft sich davon einen Anreiz zur Sanierung alter Gebäude und Fortschritte beim Klimaschutz.

Fast alle Gebäude in Deutschland verbrauchen zu viel Heizenergie. Absoluter Spitzenreiter ist Kiel, wo laut einer Analyse des Energiedienstleisters Techem durchschnittlich 17,5 Liter Heizöl pro Quadratmeter Wohnfläche benötigt werden. In Bayern sehen die Daten ein wenig besser aus: Bei 14,33 Litern pro Quadratmeter liegt der Verbrauch in München, bei 14,68 in Augsburg. Mit 16,68 Litern liegt der Wert in Rosenheim deutlich höher. "Es ist zwar ein Trend nach unten zu erkennen, aber es gibt noch viel zu tun", meint Techem-Sprecher Stefan Lutz. Von den viel zitierten Sieben-Liter-Häusern sei man noch weit entfernt. Er hält es aber für realistisch, innerhalb der nächsten zwei, drei Jahre den Durchschnittsverbrauch auf 13 Liter zu senken. Dieser Wert sei auch mit kleinen Maßnahmen zu erreichen. Beispielsweise würde sich ein "hydraulischer Abgleich" schnell bezahlt machen. Dies bedeutet, man sorgt durch Pumpen und die richtige Einstellung der Ventile dafür, dass an jedem Heizkörper im Haus die gleiche Wärme ankommt.

Bei größeren und teureren Sanierungen sind Häuserbesitzer laut Lutz bisher noch sehr zurückhaltend. Denn bis sich diese rechnen, können Jahre vergehen. Durch eine Gebäudesanierung eines Einfamilienhauses in Schwabach werden beispielsweise 195 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr eingespart. Das entspricht 19,5 Litern Heizöl, die etwa zwölf Euro kosten. Bei Sanierungskosten von 408 Euro pro Quadratmeter dauert es 34 Jahre, bis es sich rechnet.

Aus welchem Grund einen Energiepass?

Anders als bei Autos oder Haushaltsgeräten wissen Käufer oder Mieter von Häusern und Wohnungen wenig über deren Energiebedarf. Mit dem Energieausweis sollen Käufer und Mieter erfahren, wie hoch die Kosten für Heizung und Warmwasser in etwa sein werden. Zudem gibt das Dokument Basisinformationen über Dämmung und Heizanlage sowie Empfehlungen für Sanierungen und Modernisierungen, die den Energieverbrauch senken.

Ab wann ist welcher Pass Pflicht?

Wer neu baut, bekommt bereits seit dem Jahr 2002 einen Energieausweis. Dieser wurde auch nach Komplettsanierungen - zum Beispiel der Dämmung von Außenwänden und Dach sowie dem Einbau neuer Fenster - ausgestellt. Mit der Zustimmung des Bundeskabinetts zu den Änderungswünschen des Bundesrates haben sich die Fristen verschoben, bis wann ein Energieausweis bei Verkauf oder Neuvermietung vorgelegt werden muss. Für Wohngebäude bis Baujahr 1965 wird der Ausweis nicht wie bisher vorgesehen ab 1. Januar 2008, sondern erst ab 1. Juli 2008 Pflicht. Für alle anderen Häuser gilt der Stichtag 1. Januar 2009. Für Nichtwohngebäude beginnt die Verpflichtung ab dem 1. Juli 2009.

Der Bedarfsausweis wird ein Muss für Gebäude mit weniger als vier Wohnungen sowie für Häuser, die vor 1978 errichtet wurden und nicht die Anforderungen der Wärmeschutzverordnung 1977 erfüllen. Der Übergangszeitraum für eine Wahlfreiheit zwischen Verbrauchs- und Bedarfsausweis wurde für alle Gebäude um ein dreiviertel Jahr verlängert. Demnach dürfen bis 1. Oktober 2008 für alle Gebäude die günstigeren Verbrauchsausweise erstellt werden.

Bedarfs- oder verbrauchsorientiert?

Die bedarfsorientierte Berechnung ist neutraler, da sie anhand technischer Daten aufgestellt wird. Sie geht vom baulichen Zustand des Hauses und der Haustechnik aus. Da dieser Wert unabhängig vom Verhalten der Bewohner ist, gilt er als aussagekräftiger. Allerdings ist die Erstellung auch aufwändiger. Die verbrauchsorientierte Kennwertberechnung ist stark abhängig vom Nutzerverhalten. Deshalb kann dieses Verfahren erst ab einer bestimmten Nutzeranzahl verwendet werden. Die Angaben gelten immer für das komplette Haus. Der tatsächliche Verbrauch kann von den Angaben im Energiepass abweichen, beispielsweise wenn der Vornutzer sehr sparsam oder verschwenderisch geheizt hat.

Wer stellt die Ausweise aus?

Es gelten ausführliche Bestimmungen für die Qualifikation und Fortbildung der Experten, die einen Energieausweis erstellen dürfen. Infrage dafür kommen beispielsweise Architekten, Innenarchitekten, Bauingenieure und -techniker, Kaminkehrer, Maschinenbauer oder Elektrotechniker. Voraussetzung ist ein Ausbildungsschwerpunkt im energiesparenden Bauen während des Studiums oder eine zweijährige Berufserfahrung. Zudem muss der Aussteller eine Fortbildung zum energiesparenden Bauen nachweisen. Eigentümer sollten sich vom potenziellen Aussteller die notwendigen Qualifikationen zeigen lassen. Adressen von Fachkräften sind auf der Homepage der Deutschen Energie-Agentur (dena) zu finden unter www.dena-energieausweis.de.

Was kostet ein Energiepass?

Die Kosten für den Energiepass werden durch den Aussteller und den Kunden entsprechend dem Aufwand für das Gebäude festgelegt. Hier gibt es keine Vorgaben durch die dena oder den Gesetzgeber. Nach Angaben des Bauministeriums könnte der Energiepass zwischen 60 und 120 Euro kosten. Der Energieausweis ist zehn Jahre lang gültig. Er zeigt über eine grünliche bis rötliche Kennzeichnung, ob der Verbrauch für Heizung und Warmwasser niedrig oder hoch ist.

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