Neuer Schub durch Tochter aus Frankreich

Landsberg - Was tun, wenn man mit einem Produkt bereits den Weltmarkt beherrscht und dennoch weiter wachsen will? Man erfindet etwas Neues. So schickt sich Rational aus Landsberg nun zum zweiten Mal an, den Weltmarkt für Profi-Küchen aufzurollen.

Thomas Treu öffnet den Deckel und hebt aus der Brühe ein Stück gepökeltes Fleisch. Der gelernte Koch schneidet es an. Das Kassler ist perfekt, obwohl es mehr als zehn Stunden in der heißen Brühe lag. Über Nacht gegart bei Temperaturen um 70 Grad weit unter dem Siedepunkt. Das "Vario Cooking Center" kommt aus Frankreich von der Firma Frima. Solche Demonstrationen beherrscht Treu. Er verkauft die Küchengeräte der Franzosen. Vorher war er in gleicher Funktion bei Rational. Es war kein wirklich großer Wechsel. Frima ist eine Tochter des Landsberger Unternehmens, das mit der französischen Produktlinie zum zweiten Mal den Weltmarkt für Profi-Küchen aufrollen will. Damit würde sich eine Erfolgsgeschichte wiederholen.

Der Rational-Gründer Siegfried Meister war bis 1973 Wienerwald-Mitarbeiter und bei der Hendl-Kette für Kücheneinrichtungen zuständig. Die Erfahrungen, die er dabei sammeln konnte, waren später das wichtigste Startkapital. Siegfried Meister machte sich selbstständig und gründete Rational. Mit dem Kombi-Dämpfer gelang ihm der Durchbruch. Er ermöglichte es, viele Gargeräte aus den Profi-Küchen zu verbannen: Alle Heißluftgeräte, die meisten Kochplatten, ein Teil der Kessel und Kippbratpfannen. Das Landsberger Unternehmen wuchs mit meist zweistelligen Wachstumsraten und eroberte rund die Hälfte des Weltmarkts. Die Aktie gehört zu den Schwergewichten im S-Dax. Siegfried Meister ist inzwischen Aufsichtsratsvorsitzender.

Das Geheimnis der Rational-Geräte ist es, Dampf und heiße Luft im richtigen Zeitablauf und in der richtigen Dosis ans Gargut zu bringen. Das klingt theoretisch, reicht aber, um vom Soufflé über die Pizza zum gegrillten Spanferkel die meisten Speisen perfekt zu garen. Doch das erfordert bereits einen enormen und ausgeklügelten Steueraufwand.

Warum sollen sich Köche mit Temperaturen und Garzeiten herumschlagen, fragte sich nun Rational-Vorstandschef Günter Blaschke. Aus dieser Idee entstand mit weiterer Computerhilfe die nächste Generation: Das Self-Cooking-Center. Was herauskam, ist ähnlich kinderleicht zu bedienen, wie zum Beispiel die I-Pods des Computergiganten Apple. Man gibt das Gargut ein (etwa Fleisch oder Fisch), das gewünschte Ziel (beim Fleisch "durch" oder "rosig"). Und wartet nur noch, bis das Gerät "fertig" signalisiert.

Dieses Bedienkonzept kennzeichnet nun auch die zweite Produktlinie, das Vario Cooking Center von Frima, das auch den Rest an Kippbratpfannen, Kessel und Herdplatten und Fritteusen in den Küchen von Gaststätten und Kantinen überflüssig machen soll. "Noch kennen das zu wenige", räumt Günter Blaschke ein, doch er erwartet, dass sich das zügig ändert. Nicht Gas und Dampf ist hier das Rezept, sondern die blitzschnelle Zufuhr von Kontakthitze, die nicht nur das Kochen von Wasser enorm beschleunigt. Sie verhindert auch, dass beim Anbraten Flüssigkeit austritt. "Selbst bei sechs Kilo Geschnetzeltem bleibt alles trocken", sagt Koch Thomas Treu, der dies unterstreicht, indem er zum Fleisch noch Pilze hinzufügt. "Die bestehen zu 90 Prozent aus Wasser." Trotz enormer Hitze am Boden bleiben die Außenflächen kühl.

Umgekehrt wird die Wärme auch blitzschnell abgezogen. So verhindert man, dass ein Grießdessert anbrennt - auch ohne Rühren. Das Wenden, zum Beispiel von Steaks bleibt Sache des Kochs. Doch wann es soweit ist, meldet das Gerät.

Blaschke erwartet einen Wachstumsschub, sobald sich auch die neue Produktlinie bei den Köchen durchsetzt, die damit Zeit für kreative Aufgaben gewinnen, für die Gastronomie-Unternehmer, die erheblich Personal einsparen können, und für die Gäste. Denn viele Ausreden für schwache Leistungen zählen nicht mehr. Am Herd kann es jetzt nicht mehr liegen, finden die Rational-Manager. Umso mehr kommt es, so Blaschke, fürs Kochergebnis auf die Qualität der Zutaten an.

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