Neuer Streit um Mehrwegflaschen

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Berlin (dpa) - Trotz Einführung des 25-Cent-Pflichtpfandes auf Einwegflaschen Anfang 2003 haben sich die Verbraucher Untersuchungen zufolge immer mehr von Mehrweg-Getränkeflaschen abgewandt.

Das bestätigten laufende Erhebungen, sagte der Experte der GfK-Marktforschungs-Gesellschaft (Nürnberg), Günter Birnbaum, der Deutschen Presse-Agentur dpa. So sei der Anteil der Mehrweg-Nutzung von Wasser, Limonade und Fruchtsäften im ersten Halbjahr 2008 auf 27,2 Prozent gesunken nach noch rund 52 Prozent im Jahr 2002. Birnbaum bestätigte damit einen Bericht der Tageszeitung "Die Welt" (Montag). Damit verbundene Kritik aus Teilen der Getränkewirtschaft wurde von der Bundesregierung als "Tatsachen-Verdrehungen" zurückgewiesen.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht dagegen die Mehrweg-Systeme akut bedroht. Sie forderte deshalb neben dem Pflichtpfand weitere 20 Cent als Klimaschutzabgabe auf Getränkedosen, PET-Plastik und sonstige ökologisch nachteilige Einweg-Getränkeverpackungen. "Die Bundesregierung darf dem Niedergang der Mehrwegquote im Segment der alkoholfreien Getränke nicht tatenlos zusehen", forderte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. "Die Verpackungsverordnung schreibt eine Quote von 80 Prozent ökologisch vorteilhaft verpackter Getränke zwingend vor. Diese Marke ist weit unterschritten. Umweltminister (Sigmar) Gabriel (SPD) darf diese Entwicklung nicht einfach aussitzen." An die Verbraucher appellierte Resch, verstärkt zur umweltfreundlichen Mehrweg-Flasche zurückzukehren.

Eigentlich sollte Pfand auf Dosen und andere Einweg-Verpackungen die Mehrwegquote auf Dauer deutlich erhöhen. Wie Resch betonten auch das Umweltministerium und die GfK, dass seit Einführung des Pflichtpfandes die Bierdose nahezu verschwunden sei. Danach liegt die Mehrwegquote für Bier - meistens Glasflaschen - bei 83 Prozent. "Das ist ein Riesenerfolg", sagte ein Sprecher des Ministeriums. Bei den alkoholfreien Getränken sei es dagegen unseriös, auch Fruchtsäfte, für die es kein Pfand gibt, in den Einweg-Mehrweg-Vergleich einzubeziehen und daraus einen "Misserfolg" abzuleiten. "Wäre die Pfandpflicht nicht eingeführt worden, hätte der Mehrweganteil - bei einer Fortsetzung des über Jahre beobachteten Trends - bereits im Jahr 2005 deutlich unter 40 Prozent gelegen."

Das Ministerium wies damit vor allem Vorhaltungen der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (WAFG) zurück, die Politik habe das System kaputtgemacht und damit mittelständische Firmen und Tausende Jobs bedroht.

Auch die GfK-Experten sehen im Rückgang der Mehrweg-Anteile bei alkoholfreien Getränken nicht zwangsläufig Fehler der Politik. So betrage vor allem beim Wasser der Marktanteil der Discounter wie Aldi und Lidl bereits 54,4 Prozent, sagte Birnbaum. "Wer dort einkauft, erwirbt automatisch Einweg-Getränke." Im übrigen spielten "Multipacks in unserer zunehmenden Single-Gesellschaft eine immer größere Rolle" im Vergleich zum traditionellen Getränke-Kasten.

Nach Feststellungen der Konsumforscher liegt die Mehrwegquote von 27,2 Prozent um 2,6 Prozentpunkte niedriger als im gesamten Jahr 2007. Einwegflaschen aus Plastik für alkoholfreie Getränke hätten mit 63 Prozent den höchsten Anteil - gefolgt von Plastik-Mehrweg mit 13,7 Prozent und Glas-Mehrweg mit 13,5 Prozent.

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