Neuer Telekom-Chef: Erster Machtkampf mit der Gewerkschaft

- Bonn ­- Telekom-Chef René Obermann steht vor seiner ersten Nervenprobe: Während er am kommenden Mittwoch dem Aufsichtsrat seine neue Strategie präsentiert, wollen vor der Bonner Zentrale 10\x0f000 Mitarbeiter gegen den Konzernumbau protestieren. Streitpunkt ist die geplante Ausgliederung von Teilen der schwächelnden Festnetzparte T-Com in eine neue Einheit T-Service, in der der Kundendienst und die Callcenter gebündelt werden sollen. Betroffen sind davon 45 000 Menschen ­ jeder zweite Mitarbeiter von T-Com. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet sogar die Verlagerung von 60 000 Kollegen.

Obermann feilt seit seinem Amtsantritt Anfang November an der Strategie, mit der er Europas größten Telekomkonzern auf die Erfolgsspur zurückführen will. Der gebürtige Düsseldorfer muss eine Antwort auf die dringendste Frage liefern: Wie können der Rückgang der Kundenzahlen bei T-Com und die Ergebniserosion gestoppt werden? Nach dem bisherigen Planungsstand setzt Obermann vor allem auf T-Service und Einsparungen, um die Kosten in den Griff zu bekommen. Es geht neben der Umsetzung von T-Service um eine Vielzahl kleinerer Maßnahmen ­ die Erwartungen an die Strategie sollten daher nicht zu hoch gesteckt werden, sagt eine mit dem Verfahren vertraute Person.

Im Gespräch ist eine Teilbetreuung der Netze durch eine Fremdfirma, wie es im Umfeld des Unternehmens heißt. Dazu fänden Gespräche unter anderem mit Ericsson statt, die auch die Übernahme von vielen Tausend Telekom-Mitarbeitern umfassen. Zudem will der Vorstand Korrekturen an der Produktpalette vornehmen. Das Festnetztelefon mit Mobilfunkfunktion T-One werde es in der bestehenden Form nicht mehr geben, heißt es im Konzern. Dazu sei die Nachfrage im Privatkundenbereich zu gering. T-One ist eher für Geschäftskunden interessant, was sich am Erfolg eines vergleichbaren Konkurrenzprodukts der britischen BT zeigt.

Frischen Wind will Obermann auch in das Auslandsgeschäft bringen, wo er wieder offensiver auftreten will. Akquisitionen stehen wieder auf dem Programm, heißt es in Telekom-Kreisen. Nach der teuren Übernahme der amerikanischen VoiceStream (heute T-Mobile USA) hatte Obermanns Vorgänger, Kai-Uwe Ricke, Akquisitionen ein Absage erteilt. Der neue Mann an der Konzernspitze steuert nun um: Künftig werde es heißen, alle Optionen sind offen. In den zuständigen Abteilungen würden bereits Übernahmeszenarien durchgespielt. Mögliche Akquisitionsziele werde Obermann auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag wohl nicht nennen, um die Preise nicht in die Höhe zu treiben. Interesse wird der Telekom an der niederländischen Mobilfunktochter von France Télécom nachgesagt. Das Hauptaugenmerk richtet Obermann aber auf das Deutschlandgeschäft und die geplanten Umstrukturierungen.

Die Telekom ringt auf ihrem Heimatmarkt mit dem harten Wettbewerb, weswegen der Konzern die Prognose vor wenigen Wochen erneut senken musste. Verantwortlich für die Misere ist die Erosion der Kundenbasis von T-Com. Im vergangenen Jahr wechselten über zwei Millionen Kunden zur Konkurrenz. Den Abfluss will die Telekom mit besserem Service stoppen. Dazu brauche der Konzern T-Service, beteuert Obermann. T-Com-Chef Timotheus Höttges sekundiert: "Wir wollen die Kosten reduzieren und die Produktivität erhöhen ­ so schaffen wir Services, die vom Kunden bezahlt werden."

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