Neuer Tiefschlag für EADS

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Paris/München (dpa) - Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hat seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr angesichts milliardenschwerer Belastungen wegen Verspätungen beim Militärtransporter A400M zurückgezogen.

Die Mitte Oktober angekündigten Verzögerungen kosteten den Mutterkonzern EADS zusätzlich rund 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro, teilte das Unternehmen am Montag in Paris und München mit. Dies sei allerdings nur die "zum gegenwärtigen Programmstand bestmögliche Einschätzung", hieß es.

Sollten neue Probleme auftreten, seien weitere Belastungen nicht ausgeschlossen, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Die Börse reagierte überrascht auf die Höhe der Belastungen; die Aktie quittierte die Ankündigung am Montag mit deutlichen Kursverlusten.

EADS will nun am Donnerstag (8. November) bei der Bekanntgabe der Neunmonatszahlen eine aktualisierte Prognose vorlegen. Das Unternehmen hat für 2007 währungsbedingt bislang einen Umsatzrückgang im einstelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt. Das operative Ergebnis sollte sich etwa auf Vorjahresniveau bewegen.

2006 war der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Firmenwertabschreibungen und Sonderposten, den EADS als EBIT ausweist, von 2,8 Milliarden im Vorjahr auf 399 Millionen Euro eingebrochen. Fertigungsprobleme hatten das A380-Programm deutlich verzögert und Airbus samt EADS in eine tiefe Krise gestürzt.

Am Markt waren im Schnitt nur Belastungen in Höhe von 500 Millionen bis einer Milliarde Euro erwartet worden. "Die nun angekündigten Mehrkosten sind überraschend hoch", sagte ein Analyst von Exane BNP Paribas. Stefan Maichl von der LBBW ergänzte, er rechne damit, dass ein Großteil der Belastungen bereits in diesem Jahr verbucht werde. Dies könnte dann allerdings zu einem operativen Verlust von 500 bis 600 Millionen Euro führen. Die EADS-Aktie verlor bis gegen 14.00 Uhr 4,67 Prozent auf 21,82 Euro. Der MDAX gab gleichzeitig 1,29 Prozent auf 10.285,25 Zähler nach.

Von den bis zu 1,4 Milliarden Euro Mehrkosten beim A400M entfallen den Angaben zufolge mehr als eine Milliarde Euro auf die EADS-Tochter Airbus. Airbus hatte im Oktober angekündigt, die bisher für Ende 2009 geplante Erstauslieferung der Maschine erfolge nun frühestens im April 2010. Weitere Verzögerungen um ein halbes Jahr seien möglich. Die ersten Maschinen des A400M sollten Ende 2009 an die französische Luftwaffe gehen. Die Bundeswehr ist mit 60 Maschinen der größte Abnehmer der europäischen A400M. Insgesamt lagen bis Ende Juni 192 Bestellungen für den Militärtransporter vor.

Gründe für den neuen Zeitplan sind laut EADS unter anderem die langsame Triebwerksentwicklung, Verzögerungen in der Systementwicklung sowie ein ausgedehntes Testflugprogramm. Bereits Ende Juli hatte EADS gewarnt, dass das A400M-Programm "bedeutenden Risiken hinsichtlich des Gesamtzeitplans" ausgesetzt sei. Die Systemzulieferer stünden weiterhin vor Herausforderungen, die späte Design-Anpassungen notwendig machen könnten.

Die erste A400M wird derzeit in der neuen Endmontagelinie im spanischen Sevilla fertig gestellt und soll im Sommer 2008 seinen Erstflug absolvieren. Mit bis zu 37 Tonnen Frachtvolumen gilt die von vier Turboprop-Motoren angetriebene A400M als Zwischengröße bei militärischen Transportern. Der Verbrauch soll um rund 20 Prozent unter dem vergleichbarer Maschinen liegen. Außerdem soll der neue Transporter auch auf deutlich kleineren und schlechteren Bahnen landen können. Neben den europäischen Auftraggebern wie Deutschland oder Frankreich gelten auch andere Länder wie die USA als interessiert.

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