Neuer Trend: Hersteller kaufen das Auto komplett beim Zulieferer

- München - Die Kette aus München, die Lichtmaschinen aus Stuttgart, die Reifen aus Hannover. Früher waren es kleine Teile, die den Autoherstellern ans Band geliefert wurden. Das hat sich geändert. Die ganze Brummi-Kabine, das komplette Cockpit, fertige Antriebsstränge kommen von Zulieferer und - der neueste Trend - das fahrbereite Auto.

<P>Bislang waren es Nischenserien, die man von kleinen Fahrzeugschmieden in Auftrag gab. BMW lässt nun mit dem X3 eine komplette Baureihe in Österreich bauen. Die Magna Steyr hat das Auto bereits entwickelt. Längst ist der Lieferant einer der wichtigeren Hersteller in Europa - Kernkompetenz Gelände: Die Mercedes G- und M-Modelle liefen in Graz vom Band und auch Chrysler-Jeeps.</P><P>Das Prinzip kennt man in Deutschland schon länger: Bereits in den 50-er Jahren rollten in Osnabrück Autos vom Band, unter deren eleganten Blechkleid ein Volkswagen-Herz pochte: Der legendäre Karmann Ghia war aber nicht das einzige VW-Produkt aus Osnabrück. Das Käfer Cabrio kam genauso von Karmann wie die spätere Golf-Ableitung Scirocco. Mittlerweile hat sich Karmann aus der Umarmung des Giganten gelöst. Jetzt kommen noble Mercedes CLK und Audi-Cabrios aus Osnabrück; auch der Chrysler Crossfire - das erste US-Auto "Made in Germany". Dennoch firmiert Karmann immer noch als Karosserie- und Dachbau-Spezialist.</P><P>Noch weniger mit profaner Schrauberei verbinden Auto-Enthusiasten den Klang von "Pininfarina". Sergio Pininfarina schuf Design-Klassiker für die Häuser Alfa Romeo und Lancia. Auch die meisten Modelle von Peugeot verdanken ihr Äußeres der Edelfeder aus Turin. Doch längst legt man dort auch Wert auf die "Gesamtfahrzeugkompetenz". Bisher vorwiegend bei der Entwicklung. Doch hat dies nun konkretere Formen angenommen. Der "Streetka" von Ford kommt vollständig aus der Edelauto-Schmiede.</P><P>Dennoch ist die Zulieferung ganzer Autos noch die Ausnahme. Doch immer komplexere zugekaufte Fahrzeugkomponenten haben die Gewichte einer ganzen Industrie verändert: Die einstigen Handlager der Hersteller sind Motor der Branche geworden. Nach Zahlen des Gelsenkirchener Automobilwirtschaftsexperten Ferdinand Dudenhöffer haben die weltweiten Top-Ten zwischen 1996 und 2000 beim Umsatz um 41 % zugelegt.</P><P>Bosch, die globale Nr. 2 der Branche hat mit "nur" 28 % eher konservativ agiert und ist dabei, die Überholspur für andere zu räumen: Magna etwa hat 2000 zwar mit 10,1 Milliarden Dollar nur halb soviel Umsatz gemacht wie Bosch (20,8 Mrd. Dollar). Doch die Wachstumsrate von 140 % lässt auf Bleifuß-Ambitionen schließen.</P><P>Das Wachstum der Zulieferer ist nach Dudenhöffers Analyse vor allem durch einen Mangel an qualifizierten und motivierten Mitarbeitern begrenzt. Hier haben deutsche Zulieferer besonders schlechte Karten. Porsche, Mercedes und BMW schnappen ihnen die besten Köpfe weg. "Zulieferer sind für guten Ingenieure oft nur die zweite Wahl", schreibt das Branchenfachblatt "Automobilwoche". Dies, obwohl die Verantwortungsbereiche für Manager größer seien, die Aufgabenspektren vielfältiger und die Entscheidungswege kürzer. Vor allem der Mittelstand fällt im Wettkampf um begabten Nachwuchs zurück, so Dudenhöffer. Ein erheblicher Standort-Nachteil im Internationalen Wettbewerb, konstatiert der Auto-Professor.</P><P> </P>

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