Neuer Tüv-Gigant soll in München entstehen

München - Ende dieses Jahres soll es den Tüv Süd nicht mehr geben. Bis dahin will die bayerische Prüforganisation zusammen mit dem Tüv Rheinland einen neuen Branchenriesen bilden. München könnte von einer Verschmelzung der Milliarden-Konzerne profitieren.

Was die meisten Menschen "Tüv" nennen, ist für die Prüforganisationen nur ein Teil des Geschäfts. Mit Hauptuntersuchungen von Autos nimmt etwa der Tüv Süd nicht einmal jeden zweiten Euro ein. Daneben werden Industriemaschinen, Aufzüge und Sportgeräte getestet, Immobilien bewertet oder auch Unternehmen bei Produktentwicklungen beraten. Weltweit werden jährlich etwa 25 Milliarden Euro für solche Dienstleistungen ausgegeben - gerne auch an deutsche Spezialisten. Tüv Süd und Tüv Rheinland gemeinsam haben derzeit an diesem wachsenden Markt einen Anteil von etwa zehn Prozent. Und als Zusammenschluss zu einem Unternehmen wäre es bald noch mehr, hoffen die Konzernstrategen.

Deshalb haben sich Tüv Süd und Tüv Rheinland auf eine Fusion geeinigt, wie die Unternehmen in München und Düsseldorf mitteilten. So würde der zweitgrößte Prüfkonzern der Welt nach der Schweizer SGS entstehen. Und anders als sonst bei Fusionen üblich geht es nicht in erster Linie um Einsparungen und Synergien. "Wachstum steht im Vordergrund", beteuerte Bruno Braun, Chef des Tüv Rheinland. "Es werden bestehende Arbeitsplätze gesichert und neue geschaffen." Die Standorte beider Unternehmen würden sich "optimal ergänzen". Auch Axel Stepken, Chef des Tüv Süd, betonte: "Die Fusion wird keine Arbeitsplätze kosten." Man blicke in eine "gemeinsame, wachstumsstarke Zukunft".

Die Expansion soll sich überwiegend in Asien abspielen, aber auch in Amerika, erklärte Stepken. Der heimische Markt sei "weitgehend gesättigt". Trotzdem drängen ausländische Rivalen nach Deutschland, nachdem zu Jahresbeginn das letzte Tüv-Monopol - für die Prüfung von Anlagen wie zum Beispiel Aufzügen - gefallen ist.

Sitz des neuen Tüv-Giganten soll München sein. Zwar würde zunächst der Chef des rheinländischen Partners, Bruno Braun, den Vorstandsvorsitz im neuen Konzern einnehmen. Doch ab 1. Januar 2010 würde er in den Aufsichtsrat wechseln und dann die Münchner Seite mit Axel Stepken die Führung im Vorstand übernehmen.

Nachdem schon mehrere Fusionsversuche im Prüf-Markt gescheitert waren - unter anderem zwischen Tüv Süd und Tüv Nord im vergangenen Jahr -, soll es diesmal mit der großen Tüv-Ehe klappen, auch wenn sie zunächst ein Fall für das Bundeskartellamt wird. Braun versicherte: "Wir sehen den Gesprächen mit den Kartellbehörden zuversichtlich entgegen."

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