Neues Börsenhoch: Was diesmal anders ist

- Frankfurt/München -­ An der Börse ist die Stimmung richtig gut. Der Deutsche Aktienindex (Dax) knackte gestern im Tagesverlauf nach fünf Jahren Aufwärtsbewegung die Marke von 7000 Punkten. Die robuste Weltwirtschaft, Rekordgewinne der Unternehmen sowie Fusionen und Übernahmen stehen hinter den Kursgewinnen.

Viele Firmen haben Kosten gesenkt ­ gute Geschäfte und attraktive Bewertungen treiben das Börsenbarometer. Vor sieben Jahren, im Januar 2000, hatte der Dax erstmals die 7000 Punkte gemeistert. Es folgte der weitere Aufstieg ­ und der jähe Fall. Doch die Voraussetzungen sind heute völlig andere als im Boomjahr 2000. Die Chancen stehen nach Ansicht vieler Experten gut, dass der Dax seinen Weg nach oben weitergeht.

"Im Jahr 2000 sind die Dinge ins Kraut geschossen", sagt Trudbert Merkel, Fondsmanager des Deka-Fonds rückblickend. "In der Technologieblase schaute man nicht mehr auf herkömmliche Bilanzzahlen, sondern nur noch auf potenzielle Kunden, den Verkauf und potenzielle Umsätze in der Zukunft." Optimismus und Euphorie trieben die Kurse innerhalb weniger Wochen auf den Höchststand von fast 8065 Punkten im März 2000. Die scheinbar grenzenlosen Perspektiven in der Informationstechnologie lockten immer mehr Anleger, die an den schnellen Reichtum glaubten.

Doch dann platzte die Technologieblase und es folgten enttäuschende Firmendaten, Bilanzskandale, die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA und ein Einbruch der Weltwirtschaft. Der Dax verlor drei Viertel seines Wertes und sank bis März 2003 auf sein historisches Tief von 2202 Punkten. Seitdem geht es langsam, aber stetig bergauf.

"Heute ist die Entwicklung an der Börse viel gesünder", sagt die Chefvolkswirtin der Helaba, Getrud Traud. Von überschäumender Euphorie sei weit und breit nichts zu spüren, weil der Aufschwung der Aktienmärkte an den Kleinanlegern vorbeigegangen sei. Aktien gelten nicht mehr als beständige Geldanlage und werden mit Argwohn betrachtet. Die Zahl der Aktionäre in Deutschland ist laut Deutschem Aktieninstitut 2006 mit 10,3 Millionen Menschen auf den tiefsten Stand seit 1999 gesunken.

Heute steigen die Kurse zwar wieder, aber die Gewinne der Firmen legen bislang ebenso rasch zu. "Hohe Profitabilität geht mit guten Bewertungen einher, und die setzen sich an der Börse immer durch", sagt der Aktienstratege der Deutschen Bank, Bernd Meyer. Und noch etwas ist anders als vor sieben Jahren: Zwar dreht sich das Fusionskarussell immer schneller, Finanzinvestoren und Hedge-Fonds bestimmen die Märkte. Doch anders als damals bezahlen die Unternehmen mit harter Münze ­ und nicht mit Aktien, deren Kurse häufig überteuert waren und deshalb keinen bleibenden Wert hatten.

Den Sprung über die 7000er-Marke brauchen Anleger nach Ansicht von Fachleuten dieses Mal nicht als Anfang vom Ende zu fürchten: Einen Kurseinbruch erwartet die Mehrheit nicht, wenngleich Korrekturen in den nächsten Monaten möglich seien. Zum Jahresende sehen die meisten Analysten den Dax bei 7100 bis 7500.

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