Neues EU-Gesetz: Strengere Kontrollen für Spielzeug

München - Von nun an müssen alle in der EU verkauften Spielsachen den strengeren Vorgaben aus Brüssel entsprechen. Jedoch sollten sich Verbraucher nicht nur darauf verlassen.

Immer der Nase nach – dieses Motto sollten Eltern beim Spielzeugkauf beherzigen. Denn um Kinder vor Schadstoffen in Plastikfiguren oder Teddys zu schützen, schnuppern Eltern im Geschäft am besten einmal daran. „Achten Sie auf den Geruch“, rät Renate Ehrnsperger von der Stiftung Warentest. Spielzeuge, die riechen, enthielten in der Regel schädliche Inhaltsstoffe und sollten lieber nicht ins Kinderzimmer.

Länder haben zwei Jahre Schonfrist

Mit der neuen EU-Spielzeugrichtlinie, die gestern in Kraft trat, sind krebserregende oder erbgutverändernde Stoffe erstmals grundsätzlich in Spielsachen verboten. Die EU hat damit aus den Skandalen der vergangenen Jahre um gefährliches Spielzeug aus China gelernt und die mehr als 20 Jahre alten Regeln erneuert. Die 2009 von den EU-Ländern verabschiedete Richtlinie ist für alle neuen Spielsachen verbindlich – sowohl für Spielzeug, das in der EU hergestellt wird, als auch für importierte Waren. Allerdings bekommen die EU-Länder noch weitere zwei Jahre Zeit, dies umzusetzen.

Darüber hinaus werden bestimmte Duftstoffe gestrichen, die Allergien auslösen. In geringer Konzentration bleiben einige aber erlaubt, wenn Warnhinweise am Spielzeug angebracht werden. Diese müssen ab sofort übrigens deutlich zu sehen und leicht zu verstehen sein. Auch die Grenzwerte für gefährliche Stoffe wie Quecksilber sind strenger.

Doch es hagelte auch Kritik darüber, dass die Bestimmungen nicht weit genug gingen.

Gesetz ersetzt Bauchgefühl nicht

Wollen Eltern auf Nummer sicher gehen, sollten sie beim Kauf dennoch jedes Spielzeug gründlich in Augenschein nehmen – und es nicht nur einmal kurz anfassen, empfiehlt Ehrnsperger, die Projektleiterin für den Bereich Spielzeug bei der Stiftung Warentest ist.

Bei Holzspielzeug kaufen Eltern besser unlackierte Produkte. Denn im Lack, der absplittern und im Magen des Kindes landen kann, stecken auch oft Schadstoffe, wie Untersuchungen der Warentester ergeben haben. Schädlich sind auch die häufig in Plastikspielzeug enthaltenen Weichmacher. Ehrnsperger empfiehlt daher, Hart- statt Weichplastik zu kaufen. „Das ist immer besser.“

Siegel geben Ehrnsperger zufolge nur bedingt Auskunft über die Sicherheit. Das CE-Zeichen sei zwar Pflicht, zeige aber nur die Erklärung des Herstellers an, sich an die geltenden gesetzlichen Vorgaben gehalten zu haben. „Das GS-Zeichen ist schon besser, weil die Produkte zumindest gelegentlich Fremdkontrollen unterzogen werden.“ 100-prozentige Sicherheit garantiere es aber auch nicht.

Gefahr lauert bei Kleinteilen

Ein Spielzeug für Kleinkinder unter drei Jahren sollte außerdem so wenig Kleinteile wie möglich enthalten. Denn dabei besteht die Gefahr, dass das Kind sie schluckt und daran erstickt. „Wenn welche dran sind, dann sollten Eltern ziehen. Denn das macht das kleine Kind auch.“ Lassen sich Teile lösen, bleibt das Spielzeug besser im Laden. Ähnliches gilt für den Flor von Plüschtieren: Dieser sollte sich nicht beim Hineingreifen lösen, denn auch solche Haare können Kinder verschlucken. Daher sind der Expertin zufolge auch aufgestickte Augen sicherer als etwa aufgenähte aus Kunststoff, die zudem verführerisch glänzen.

Mit dem Preis sinkt die Sicherheit

Zwar sei ein Markenprodukt nicht immer unbedingt besser als ein preiswerteres Spielzeug. „Aber ein bisschen Geld sollte man schon ausgeben“, rät Ehrnsperger. Für bestimmte Sicherheitstests sei eben ein gewisser Preis nötig. In Ein-Euro-Shops finde sich dagegen immer wieder mal „negative Ware“ – also Spielzeug, das Kinder ihrer Gesundheit zuliebe besser nicht in die Finger bekommen.

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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