Neueste Variante: Scania schluckt MAN

München - MAN soll neben Scania und den Nutzfahrzeugen von VW in einem einem gigantischen Konzern aufgehen. Doch das soll nun ganz anders ablaufen als ursprünglich geplant. Scania übernimmt mit VW-Hilfe den größeren Konkurrenten MAN.

Als VW-Aufsichtsrats-Chef Ferdinand Piëch seine Unterstützung für die MAN-Pläne zu einer Übernahme des schwedischen Konkurrenten Scania zurückzog, wettete kaum mehr einer auf die Zukunft des MAN-Konzernchefs Håkan Samuelsson. Nun dreht sich das Fusionskarussell in eine völlig andere Richtung. Doch am Ende steht voraussichtlich erneut ein Ergebnis, das Samuelsson zum starken Mann eines zusammengeschmiedeten europäischen Brummi-Giganten macht.

Scania-Chef Leif Östling, durch die erfolgreiche Abwehr der MAN-Pläne bisher der Sieger des Tauziehens zwischen Scania und MAN, wird aber am Ende wohl seinen Job aufgeben müssen. Dies zumindest, wenn man Informationen der schwedischen Wirtschaftszeitung "Dagens Industri" glaubt. Er soll zum Kugellagerkonzern SKF wechseln.

Denn nach einem erfolgreichen Übernahmeangebot soll der Investor, die Finanzholding der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg, ihre bisherige Sperrminorität bei Scania aufgeben. Dann kann VW seine Nutzfahrzeugaktivitäten mit dem neuen Gebilde verschmelzen.

Dabei ist unklar, ob es sich dabei nur um die Produktion schwerer VW-Nutzfahrzeuge in Brasilien handelt, oder ob auch die europäischen VW-Aktivitäten im Transporter-Bereich dem neuen Nutzfahrzeug-Giganten zugeschlagen werden. Schon heute gibt es eine Vertriebskooperation von Volkswagen und MAN auf diesem Gebiet. Samuelsson soll dem Bericht zufolge den Aufsichtsrats-Vorsitz des neuen Konzerns übernehmen.

Voraussetzung für die große Rochade der Nutzfahrzeughersteller ist allerdings ein Ende des VW-Gesetzes. Am kommenden Dienstag entscheidet der Europäische Gerichtshof über die Bestimmungen, die bisher dem Land Niedersachsen die Kontrolle über den VW-Konzern garantieren. Wenn das Gesetz - wie allgemein erwartet - fällt, ist der Weg frei für eine Mehrheitsübernahme von Porsche bei Volkswagen. Bislang hält der Sportwagenhersteller (und damit die Familien Porsche und Piëch) 31 Prozent der Volkswagenanteile. Die Beteiligung könnte aber rasch auf über 50 Prozent aufgestockt werden. Damit hätte Piech freie Hand.

Für MAN und Scania wäre der Zusammenschluss die Chance, aus zwei europäischen Herstellern einen globalen Konzern zu schmieden. Schon heute sind sowohl MAN als auch Scania stark in Osteuropa und Russland. MAN plant größere Aktivitäten in Indien und China. Zusammen mit einem starken VW-Standbein im südamerikanischen Markt, wäre die Voraussetzung geschaffen, weltweit an die Spitze zu gelangen. Derzeit haben die Unternehmen weltweit rund 5,5 Prozent Marktanteil, der nach früheren Aussagen von Samuelsson unter einem gemeinsamen Dach auf 10 Prozent steigen könnte.

Bislang verlangten die Schweden überdies, dass die Konzernzentrale nach einer Fusion in Schweden liegen müsse, weil Scania die größere Rendite einbringt und damit besser sei. Samuelsson dagegen führte dies darauf zurück, das Scania sich auf das margenstarke Geschäft mit Fern-Lkw beschränkt und in anderen Bereichen überhaupt nicht vertreten ist. Da MAN, wie alle Beteiligten zu den Fusionsplänen eisern schweigt, lassen sich mögliche Folgen für den Standort München derzeit nicht absehen.

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