Neugebauer erwartet harten Tarifkonflikt

- München - Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer rechnet in den kommenden Wochen mit schwierigen Tarifverhandlungen: "Ich gehe nicht davon aus, dass es bis Ablauf der Friedenspflicht Ende März eine Einigung gibt", sagte Neugebauer bei der Vorstellung der Jahresbilanz. Die ersten Verhandlungen sollen am 9. Februar in München beginnen.

"Das Angebot der Arbeitgeber von 1,2 Prozent Lohnerhöhung ist eine Lachnummer", so Neugebauer. Die Einkommen müssten deutlich steigen, um endlich die Binnennachfrage anzukurbeln. Bei der Reallohnentwicklung der letzten zehn Jahre rangiere Deutschland im EU-Vergleich mit minus 0,9 Prozent an letzter Stelle.

Kampfbereit zeigte sich der Gewerkschaftschef im Konflikt um das AEG-Hausgerätewerk in Nürnberg. "Wir streiken, bis ein Ergebnis vorliegt." Seit gestern sind auch die Beschäftigten der Logistiksparte im Ausstand. Sie wollen damit die Rückkehr in die Tarifbindung der Metall- und Elektroindustrie erzwingen. Neugebauer schätzt den Produktionsausfall bereits auf etwa 25 000 Geräte. Spätestens Mitte nächster Woche werde die Auslieferung von AEG-Geräten zum Erliegen kommen.

Dennoch sieht Neugebauer noch Chancen für einen Kompromiss. Denkbar sei etwa eine Einigung auf zwei bis zweieinhalb Monatsgehälter Abfindung pro Beschäftigungsjahr sowie die Gründung einer Beschäftigungsgesellschaft für zwei Jahre. "Wenn der schwedische Electrolux-Konzern zustimmen würde, dann sind wir in drei bis vier Stunden fertig."

Neugebauer räumte ein, dass die Gewerkschaft durch Streiks wie derzeit bei AEG neue Mitglieder gewinne. So wuchs die IG Metall in Bayern 2005 um 485 Mitglieder auf 356 524 - der erste Mitgliederzuwachs seit drei Jahren.

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