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Neun-Euro-Ticket: Mögliches Nachfolge-Angebot spaltet „Ampel“

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Neun-Euro-Ticket
Neun-Euro-Ticket (Symbolbild) © IMAGO/Wolfgang Maria Weber

In der Ampel-Regierung wird weiterhin über eine mögliche Nachfolge für das Neun-Euro-Ticket debattiert.

Berlin in Deutschland - Während Grünen- und SPD-Vertreter am Dienstag auf ein langfristig günstiges Ticket beharrten, verwies die FDP vor allem auf fehlende Finanzmittel für ein derartiges Angebot. Auch bei der Finanzierung von Ausbau und Sanierung des Bahnnetzes sind sich die Parteien uneins.

"Das Neun-Euro-Ticket ist ein großer Erfolg und wir sollten diesen Erfolg auch fortführen", sagte die SPD-Parteivorsitzende Saskia Esken den Sendern RTL und ntv. Die Chefin der Verkehrsministerkonferenz, Bremens Mobilitätssenatorin Maike Schaefer (Grüne), sieht dafür die Bundesregierung in der Pflicht. Es mangele in den FDP-geführten Ministerien für Verkehr und Finanzen aber an Kompetenz für die Verkehrswende, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte zwar ebenfalls den Erfolg der Maßnahme im Rahmen des Entlastungspakets wegen der steigenden Energie- und Spritpreise betont, gibt sich bei einer möglichen Nachfolgeregelung jedoch verhalten. Finanzminister Christian Lindner lehnt ein weiterhin stark subventioniertes Angebot für den öffentlichen Verkehr aus Haushaltsgründen ab.

Der Schienenverkehrsbeauftragte der Bundesregierung, Michael Theurer (FDP), bestätigte diese Haltung. Diskutierte Vorschläge vom Null-Euro-Ticket bis zum 69-Euro-Ticket seien nicht oder wenig sinnvoll, sagte er der "Rheinischen Post". Ein Gratisticket sei nicht finanzierbar und würde zu starken Überlastungen des Bahnnetzes führen. "Das 69-Euro-Ticket wiederum könnte dazu führen, dass Netzkarten in bestimmten Verkehrsverbünden wie Berlin teurer werden", sagte Theurer.

Unstrittig sei auch, "dass das Bahnnetz saniert, erweitert und ausgebaut werden muss", sagte der Schienenverkehrsbeauftragte. Den Erfolg des Neun-Euro-Tickets wertete er hier aber als "ermutigendes Signal": "Wenn das auch funktioniert, ohne Milliarden in den Ausbau der Schieneninfrastruktur zu investieren, lässt sich das wichtige Ziel des Koalitionsvertrags, nämlich Verdopplung der Fahrgäste bis 2030, leichter erreichen."

Der Grünen-Bahnpolitiker Matthias Gastel zeichnete ein deutlich dramatischeres Bild. Wegen der steigenden Kosten für den Personennahverkehr drohten "Abbestellungen ganzer Verkehrsleistungen durch die zuständigen Bundesländer", sagte er der "Welt". Der Bund müsse daher "die Regionalisierungsmittel, mit denen er laut Grundgesetz den Schienenpersonennahverkehr der Länder zu finanzieren hat, deutlich erhöhen".

Auch in vielen anderen Bereichen der Bahn müsse "die Unterfinanzierung der Schiene ein Ende haben", sagte Gastel weiter. "Deshalb wünsche ich mir von Bundesverkehrsminister Volker Wissing mehr finanziellen Ehrgeiz und von Finanzminister Christian Lindner die angemessene Bereitschaft zur Bereitstellung größerer Mittel, wie im Koalitionsvertrag vereinbart." pe/ilo

Schienenverkehrsbeauftragter Theurer: "69-Euro-Ticket wäre wenig sinnvoll"

Der Schienenverkehrsbeauftragte der Bundesregierung, Michael Theurer (FDP), kritisiert die debattierten Nachfolgeangebote für das Neun-Euro-Ticket. "Vom 0-Euro-Ticket halte ich nichts", sagte Theurer der "Rheinischen Post" vom Dienstag. "Es ist weder finanzierbar noch sinnvoll. Preise haben ja auch eine Lenkungswirkung und das Bahnnetz ist teilweise stark überlastet."

Der FDP-Politiker kritisierte zugleich Vorschläge für ein Ticket zum Preis von 69 Euro. "Das 69-Euro-Ticket wiederum könnte dazu führen, dass Netzkarten in bestimmten Verkehrsverbünden wie Berlin teurer werden", sagte Theurer. "Auch das wäre wenig sinnvoll."

Der Schienenverkehrsbeauftragte zog aber ein Positives Fazit zu dem bis Ende August befristeten Neun-Euro-Ticket. Es sei ein "ermutigendes Signal, das durch attraktive Preise auf die Schiene gelockt hat", sagte Theurer. "Wenn das auch funktioniert, ohne Milliarden in den Ausbau der Schieneninfrastruktur zu investieren, lässt sich das wichtige Ziel des Koalitionsvertrags, nämlich Verdopplung der Fahrgäste bis 2030, leichter erreichen." Unstrittig sei aber, "dass das Bahnnetz saniert, erweitert und ausgebaut werden muss". fs/

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