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Nachfolger für 9-Euro-Ticket: Erstes Bundesland prescht mit eigenem Angebot vor

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Von: Lisa Mayerhofer

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Das Neun-Euro-Ticket ist im Sommer auf breite Zustimmung gestoßen – ein bundesweiter Nachfolger ist aber trotzdem noch nicht in Sicht. Ein Bundesland hat jetzt im Alleingang ein 29-Euro-Ticket eingeführt.

Berlin – Drei Monate lang konnten Millionen Fahrgäste den öffentlichen Nahverkehr bundesweit für nur neun Euro nutzen. Die Aktion stieß in der Bevölkerung auf große Zustimmung und Forderungen nach einem Nachfolgeangebot. Bund und Länder peilen nun bis Mitte Oktober Klarheit über ein Folgeangebot an, ringen aber noch um die Finanzierung.

29-Euro-Ticket: Angebot von Oktober bis Dezember in Berlin

Berlin ist nun vorgeprescht und bietet schon seit dieser Woche eine Nachfolgeoption für das Neun-Euro-Ticket an: Ab sofort könne von Oktober bis Dezember für jeweils 29 Euro im Monat für das Stadtgebiet ein Abo-Fahrschein erworben werden, teilte die Senatskanzlei am Montag in Berlin mit. Das 29-Euro-Ticket ist Teil des Berliner Entlastungspakets in der Energiekrise.

Die Länderchefs kritisieren vor allem die im dritten Entlastungspaket enthaltenen Finanzierungspläne für einen Nachfolger des 9-Euro-Tickets.
Noch sind sich Bund und Länder in der Debatte um einen Nachfolger für das beliebte Neun-Euro-Ticket uneinig. Ein Bundesland hat nun schon ein Nachfolgeangebot eingeführt. © Sven Hoppe/dpa

Gültig ist das Ticket mit dem stark reduziertem Monatspreis für den Tarifbereich AB in der Hauptstadt. Berlins Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) erklärte dazu: „Damit ist Berlin Vorreiter im Bundesgebiet.“ Umweltsenatorin Bettina Jarasch (Grüne) betonte, vom Angebot profitierten Hunderttausende Menschen „in diesem krisengeprägten Herbst und Winter“.

Kommt ein Nachfolger für das Neun-Euro-Ticket bundesweit zum Januar?

Wann und ob es in den anderen Bundesländern ebenfalls ein Nachfolgeangebot für das Neun-Euro-Ticket gibt, ist weiterhin unklar. Laut Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) sei man dem Ziel, ein Folgeticket zum 1. Januar 2023 einzuführen, aber schon deutlich näher gekommen. Mit der Ausgestaltung und dem konkreten Ticketpreis soll sich nun zügig eine Arbeitsgruppe befassen. Die Länder bestehen aber auf generell mehr Geld vom Bund für Busse und Bahnen wegen hoher Energiekosten.

Die Vorsitzende der Länder-Ressortchefs, Maike Schaefer (Grüne) aus Bremen, sagte: „Wir sind einen guten Schritt weiter gekommen.“ Alle Länder hätten bekundet, dass sie sich vorstellen könnten, ein Anschlussticket mitzutragen. Dies sei „eine wahre Entlastung“ in Zeiten explodierender Energiepreise. Dafür müsse der Preis attraktiv und nicht so hoch wie für normale Monatstickets sein. Gekoppelt sein müsse dies zudem an eine Anhebung der Regionalisierungsmittel des Bundes für die Länder insgesamt. „Wir brauchen mehr Geld im System.“ Die jetzigen Mittel reichten nicht einmal, den Status quo zu halten.

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Die Verbraucherzentralen bezeichneten es als eine „verpasste Chance“, dass es noch keine Einigung auf ein Nachfolgemodell des Neun-Euro-Tickets gebe, und forderten erneut ein 29-Euro-Monatsticket – so wie es derzeit in Berlin angeboten wird. „Sollten sich Bund und Länder auf ein teureres Ticket einigen, müssten Menschen mit geringem Einkommen ein vergünstigtes Angebot bekommen“, sagte die Chefin des Bundesverbands, Ramona Pop. Das Ticket müsse zudem auch analog erhältlich sein, um Menschen ohne Smartphone nicht auszuschließen. (lma/dpa/epd)

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