Neuwahlen kurbeln Konsum nicht an

- Nürnberg - Die Aussicht auf mögliche Neuwahlen hat auf die Stimmung der Verbraucher in Deutschland bisher keinen positiven Einfluss gehabt. Auf Grund der andauernden Kaufzurückhaltung der Bürger verschlechtert sich der Indikator für das Konsumklima im Juli zum dritten Mal in Folge und sinkt auf einen Wert von 3,5 Punkten nach 4,3 Punkten im Juni, teilte der Marktforscher GfK am Dienstag in Nürnberg mit. Von einer Trendwende sei nichts zu spüren.

GfK-Chef Klaus Wübbenhorst sagte, bei den Verbrauchern überwiege die Skepsis. Im Sommer seien daher keine zusätzlichen Impulse für den privaten Konsum mehr zu erwarten."Ich habe aber die starke Hoffnung, dass es nach den Wahlen aufwärts geht", sagte er. Wer immer gewinne, dürfe danach nicht lange Bestandsaufnahmen machen, sondern müsse "rasch und verlässlich" handeln. Bisher verhindere vor allem die weiterhin große Furcht vor Arbeitslosigkeit, dass die Verbraucher ihre Zurückhaltung aufgäben. Besonders die Indikatoren für die Einkommenserwartung und die Neigung zu größeren Anschaffungen kämen nicht aus dem Tief, teilte die GfK mit.Der GfK-Chef sprach sich gegen eine Erhöhung der Mehrwertsteuer ohne Gegenleistungen aus. Dies wäre das falsche Signal für den privaten Konsum. "Dadurch würde Kaufkraft entzogen", sagte Wübbenhorst in einem dpa-Gespräch. Nur wenn dafür andere Belastungen etwa auf der Seite der Lohnnebenkosten reduziert würden, könne man über eine Anhebung diskutieren. "Die Diskussion geht aber am Thema vorbei", sagte Wübbenhorst. Generell müsse die Politik an der Ausgabenseite drehen, anstatt über Steuererhöhungen zu diskutieren. "Die verschiedenen Konzepte verstärken die Unsicherheit der Bürger", sagte Wübbenhorst. "Es gibt keine Planungssicherheit."Die Verbraucher sehen nach GfK-Angaben zu Beginn des Sommers keine wirklichen Anzeichen für eine konjunkturelle Belebung. Zwar sei der Indikator leicht um knapp 3 auf minus 13,4 Punkte gestiegen, liege jedoch noch immer unter dem Vorjahreswert. Der Indikator Einkommenserwartung, der im Mai deutlich verloren hatte, stieg leicht um 3 Punkte auf einen Wert von minus 9,9. Damit setze sich der seit zwei Jahren zu beobachtende Zickzackkurs fort. Die Anschaffungsneigung sank erneut. Der Wert ging um 4,5 Punkte auf minus 25,8 Punkte zurück.Die Binnennachfrage werde daher keinen wesentlichen Beitrag zur konjunkturellen Entwicklung in diesem Jahr liefern. Die GfK hält nach Wübbenhorsts Worten an ihrer Prognose fest, dass der Konsum in diesem Jahr um 0,4 Prozent steigen werde. Dagegen hatte etwa der Chef des Münchner ifo Instituts, Hans-Werner Sinn, kürzlich von nur noch 0,2 Prozent Wachstum gesprochen. "0,2 oder 0,4, es ist grundsätzlich zu wenig", sagte Wübbenhorst. Für die Berechnung der Verbraucherstimmung befragt die GfK monatlich rund 2000 Konsumenten.

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