Wer nicht abhebt, kassiert: Entschädigungen bei Umbuchung

- München - Im Flugverkehr ist es wie im normalen Leben: Manchmal lohnt es sich finanziell, einfach auf dem Boden zu bleiben. Wer bei überbuchten Flügen auf seinen Platz verzichtet, dem gewähren die Airlines Barauszahlungen oder großzügige Gutscheine.

<P>Dass die Flüge überbucht sind, ist die Regel: "Im Schnitt treten 11 Prozent aller Gäste, die bei uns buchen, ihre Reise nicht an", schildert Lufthansa-Sprecherin Bettina Rittberger die Situation. Deshalb werden die Flüge mit Hilfe von ausgeklügelten Computerprogrammen überbucht, deren Berechnungen jedoch nicht immer zutreffen.<BR><BR>Freiwillige gesucht</P><P>Bei planungstechnischen Bruchlandungen suchen die Airlines vor dem Abflug Passagiere, die freiwillig später fliegen - gegen einen gewissen Ausgleich. Ist ein Flug extrem überbucht, etwa nach Messen oder zu Beginn der Ferien, gibt es Verhandlungsspielraum nach oben. Dann werden auf Nachfrage schon mal großzügigere Reisegutscheine ausgestellt als vorgesehen oder Entschädigungen durch Essensgutscheine ergänzt.<BR><BR>Grundsätzliche Ansprüche</P><P>Grundsätzlich gibt es für die Entschädigungsleistungen bestimmte Regeln: "Bei Flügen, die in Europa starten, stehen einem umgebuchten Passagier 75 Euro zu, wenn er zwei Stunden später am Zielort ankommt", erläutert Beate Wagner von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, die sich auf Reiserecht spezialisiert hat. Ist die Verzögerung größer, verdoppelt sich die Zahlung auf 150 Euro. Bei interkontinentalen Flügen ist eine um vier Stunden spätere Ankunft am Ziel 150 Euro wert, zögert sich die Beförderung länger hinaus, hat man Anspruch auf 300 Euro.<BR>Die Lufthansa stellt dem Passagier immer zur Wahl, statt des Barausgleichs einen Reisegutschein der Fluggesellschaft zu nehmen: "Dessen Wert ist jeweils doppelt so hoch wie die Auszahlung", sagt Bettina Rittberger von der Lufthansa.<BR><BR>Zusätzliche Leistungen</P><P>Muss der umgebuchte Passagier übernachten, bevor er weiterfliegen kann, gewähren die Fluggesellschaften auf Nachfrage Sonderleistungen. Neben der obligatorischen Übernachtung in einem Hotel kann es sich dabei um Essensgutscheine, kostenlose Telefongespräche oder um einen Mietwagen handeln.<BR>Das kommt die Gesellschaften teuer zu stehen, ist ihnen aber lieber, als dass der Passagier vor Wut in die Luft geht. "Deshalb kann man mit den Gesellschaften vor Ort meist individuell verhandeln", meint Wagner.<BR><BR>Sonderfall Charterflug</P><P>Die genannten Entschädigungs-Regeln gelten jedoch nur für Linienflüge. "Charterflüge sind von den Vorschriften in dieser Hinsicht ausgenommen", betont Verbraucherberaterin Beate Wagner. Das wird sich ab 2005 ändern. "Dann tritt die gerade beschlossene EU-Regelung in Kraft, die die Ersatzzahlungen erhöht und Charterflüge mit einschließt." Experten befürchten dadurch eine Erhöhung der Reisekosten.<BR><BR>Flugpreis als Grenze</P><P>Wer einen Billigflug bucht, kann bei einer Umbuchung keine Entschädigung erwarten, die über den Flugpreis hinausgeht. Wagner: "Es wäre ja auch widersinnig, bei einer Umbuchung für einen Billigflug, der 19 Euro gekostet hat, 75 Euro als Ausgleich zu bekommen."<BR><BR></P>

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