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Der Softwarehersteller Oracle will Sun Microsystems kaufen.

Überraschende Wende im Übernahmekampf: Oracle kauft Sun

Redwood Shores - Unerwartete Wendung im Übernahmekampf um den US-Computerkonzern Sun Microsystems: Nach dem Rückzug von IBM will der Softwarehersteller Oracle den Konzern für 7,4 Milliarden Dollar inklusive Schulden kaufen.

Das Sun-Management habe bereits eingewilligt, teilten die Unternehmen am Montag in Redwood Shores (US-Staat Kalifornien) mit. Je Aktie bietet Oracle den Angaben zufolge 9,50 Dollar (etwa 7,33 Euro) und damit 42 Prozent mehr als das Papier am Freitag kostete.

Oracle ist vor allem an der Programmierplattform Java und dem offenen Betriebssystem Solaris interessiert. Das Unternehmen nutzt bereits beide Technologien für seine Produkte. Künftig könne man Firmenkunden als einziger Anbieter ein komplettes System von der Hardware bis zur Software liefern, sagte Oracle-Chef Larry Ellison.

Dies senke die Kosten und steigere Zuverlässigkeit, Sicherheit und Leistung. “Die Übernahme von Sun verwandelt die gesamte IT-Branche“, sagte Ellison. Java laufe auf Hunderten von Millionen Geräten weltweit und finde in Handys ebenso Anwendung wie in Heim- oder Großrechnern, sagte Oracle-Chef Ellison.

Das schnell wachsende Geschäft mit “Oracle Fusion Middleware“ basiere vollständig auf der Programmierplattform. “Java ist die wichtigste Software, die Oracle je übernommen hat.“ Sun Microsystems ist zudem für sein Solaris-Betriebssystem bekannt. Es wird vor allem für Server verwendet. Durch den Kauf könne man Oracle- Datenbanken auf einzigartige Weise mit der Software verzahnen, sagte Ellison. Oracle hatte sich in den vergangenen Jahren durch Zukäufe bekannter Software-Häuser wie PeopleSoft oder Siebel auf den zweiten Platz der Branche vorgeschoben. Erzrivale ist die deutsche SAP. Bei den Hochleistungsrechnern, wie sie in Firmen oder fürs Internet eingesetzt werden, katapultiert sich Oracle durch die Übernahme aus dem Stand unter die Top vier hinter IBM, Hewlett-Packard und Dell.

Die Führung von Sun Microsystems unterstützt die Übernahme. “Oracle und Sun sind Industriepioniere gewesen und enge Partner seit mehr als 20 Jahren“, sagte Sun-Chairman Scott McNealy. Die Übernahme sei eine “Evolution“ der bestehenden Beziehung.

Oracles Schritt gingen wochenlange Verhandlungen zwischen IBM und Sun voraus. Der Übernahmekandidat selbst hatte den Rivalen als Retter in der Not angesprochen. Die Gewinne mit den Firmenrechnern waren in den vergangenen Jahren stetig geschrumpft, weil sich die Technik der großen Computer immer mehr der von Heimrechnern annäherte. Anfang April platzten die Gespräche, angeblich wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen. Zwischenzeitlich wurden Dell und der gerade in den Computermarkt eingestiegene Netzwerkausrüster Cisco Systems als Interessenten genannt.

Oracle-Chef Ellison rechnet damit, dass die Übernahme bereits im ersten Jahr den Gewinn steigern wird. Sein Unternehmen ist der weltweit größte Anbieter von Datenbank-Software. Die Anleger nahmen ihm das Kaufansinnen aber übel: Vorbörslich rutschten die Papiere um 4,77 Prozent auf 18,15 ab. Auch Sun-Aktien gaben vor Eröffnung des Handels um 1,49 Prozent auf 6,59 Euro nach. Bis zum Sommer will Ellison das Geschäft trotz der Skepsis der Börsianer in trockenen Tüchern haben.

dpa

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