Nicht bei jedem Investmentfonds ist auch drin, was drauf steht

- Hübsch verpackt ist halb verkauft, und mitunter besteht der Unterschied zwischen einem Ladenhüter und einem Absatzrenner darin, dass Letzterer einen zugkräftigeren Namen trägt. Kein Wunder also, dass mittlerweile auch die Investment-Branche darauf achtet, ihre oft sehr abstrakten Produkte mit möglichst wohlklingenden Bezeichnungen zu schmücken, wie die Allgemeine Deutsche Direktbank warnt.

<P>Bei der Union Investment wird so aus einem simplen Dachfonds ein "Power-Portfolio", die Postbank stilisiert ihren Fonds für internationale Standardwerte zum "Global Player" hoch, und der "CB Fund Young Generation" der Commerzbank nimmt die Gemeinde der jugendlichen Britney-Spears-Fans ins Visier. </P><P>Alles legitim - solange der Anleger dadurch nicht auf eine falsche Fährte gelockt wird. Beispiel Hansainvest: Dort entpuppt sich der "Hansasecur" nach kurzem Blick in die Anlagebedingungen als ein Sammelbecken für Aktien kleinerer deutscher Unternehmen _ und nicht etwa als Hort besonderer Sicherheit, wie der Name suggeriert. Und die Manager des "DWS Top 50 Welt" kaufen nicht etwa die 50 je nach Marktsituation Erfolg versprechendsten Aktien, sondern konzentrieren sich bei der Auswahl auf fünf Branchen, zu denen auch der Bereich "Technologie" gehört.</P><P>Noch ärgerlicher wird es, wenn nicht nur der Name nicht hält, was er verspricht, sondern wenn darüber hinaus die in der Werbung oder im Verkaufsprospekt formulierten Anlageziele nicht eingehalten werden. Auch dafür gab es in der Vergangenheit immer wieder Beispiele. So betonte die Münchner Adig (heute: Cominvest) immer wieder, sie würde in ihrem Mischfonds Fondra je nach Marktsituation Aktien oder Renten deutlich übergewichten. Tatsächlich lag jedoch der Anteil der Dividendenwerte fast immer zwischen 60 und 90 Prozent. Konsequenz: Während der Deutsche Rentenindex Rex seit Ende Juni 2000 mehr als 20 Prozent zulegte, büßten Fondra-Käufer fast 30 Prozent ein. </P><P>Auch die Manager anderer Mischfonds gingen mitunter seltsame Wege - etwa beim mittlerweile aufgelösten VMR Strategie Quadrat, der fast ausschließlich Neue-Markt-Titel kaufte. Mindestens ebenso viel Geduld musste das für die Prospekte verwendete Papier beim VMR Internetvision aufbringen. Dort nämlich behaupteten die VMR-Macher, ihr Berater halte bei der Anlage das Risiko im Auge - doch dieser kaufte einen illiquiden Hoffnungswert nach dem anderen. Ähnlich weit klafften Anspruch und Wirklichkeit lange Zeit beim Ars-Universal-Fonds der Frankfurter Universal Investment auseinander. Deren Marketing-Experten charakterisierten den Ars-Universal bis 2001 als einen Fonds, dessen Manager sich "an der Ertragskraft und der Substanz der auszuwählenden Werte" sowie am "Shareholder Value" orientieren. Dabei standen auch dort längst Neue-Markt-Titel im Mittelpunkt.</P><P>Mischfonds gewichten ganz unterschiedlich</P><P>Als völlig unverdächtig in Sachen Etikettenschwindel galt bisher die Dresdner-Bank-Tochter Dit. Deren Geschäftsführer hatten schon früh die "Produktwahrheit" zur obersten Maxime erklärt. Nach dem Motto "Was draufsteht, ist auch drin" hießen die Fonds schlicht Dit-Italien oder Dit-Technologie und hielten sich penibel an diese Vorgaben. Zwischen Aktien und Renten wechselnde Mischfonds waren ebenso verpönt wie hohe Barreserven - man konnte sich darauf verlassen, dass Aktienfonds auch stets zu mindestens 90 % in Aktien investierten. </P><P>Doch der neue Eigentümer Allianz nimmt es mit der Klarheit nicht mehr ganz so genau, wie der 2002 neu aufgelegte Dit Euro Bond Total Return zeigt. Der in der Investment-Branche sehr beliebt gewordene Begriff "Total Return" signalisiert das Bemühen der Manager, unabhängig von Börsenschwankungen eine positive Rendite zu erzielen. In unsicheren Zeiten wie diesen ein exzellentes Verkaufsargument: So flossen dem Neuling in nur fünf Monaten netto 1,62 Milliarden Euro zu. Im Prospekt dieses Fonds findet sich jedoch kein Hinweis auf Verlustbegrenzung.<BR></P>

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