Nicht für jeden ein sinnvoller Schutz

Unfallversicherung: - Statistisch gesehen ereignet sich in Deutschland alle vier Sekunden ein Unfall. Gut zwei Drittel davon passieren in der Freizeit, wo der gesetzliche Unfallschutz nicht greift. Eine private Unfallversicherung kann zusätzlichen Schutz bieten, ist aber nicht für jeden zu empfehlen.

Eine private Unfallversicherung bietet - weltweit und rund um die Uhr - Schutz vor den wirtschaftlichen Folgen einer unfallbedingten Invalidität. Dabei liegt eine Invalidität vor, wenn durch einen Unfall körperliche Schäden zurückbleiben oder die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigt wird und sich dieser Zustand auch nach einem Jahr nicht bessert.

Grundlage für den Grad der Invalidität ist die sogenannte Gliedertaxe. Danach zahlt der Versicherer beispielsweise bei Verlust oder völliger Gebrauchsunfähigkeit einzelner Körperteile bestimmte Prozentsätze der Versicherungssumme. So bedeutet der Verlust eines Auges oder eines Beines bis unterhalb des Knies in der Regel eine Invalidität von 50 Prozent.

Eine private Unfallversicherung ist sinnvoll, wenn keine gesetzlichen Rentenansprüche bestehen, wie Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten sagt. Oder auch dann, wenn sich Verbraucher die teure Berufsunfähigkeitsversicherung (BUV) nicht leisten können beziehungsweise aus gesundheitlichen oder beruflichen Gründen keine erhalten. Dies betrifft vor allem Kinder, Schüler, Hausfrauen oder Berufslose.

Der eindeutige Nachteil einer Unfallversicherung ist aber, dass kein Schutz bei krankheitsbedingten Ursachen besteht. Da aber die meisten Menschen aus Krankheitsgründen aus dem Job ausscheiden, sollte eine BUV immer Vorrang haben, wenn es darum geht, die Arbeitskraft und damit den sozialen Standard zu versichern, so Rudnik.

Der Ernährer einer Familie sollte die Versicherungssumme nach seinem Alter und Einkommen festlegen. Für die Ermittlung der Grundversicherungssumme empfiehlt Hedwig Telkamp, Versicherungsexpertin von der Verbraucherzentrale Bayern in München: Im Alter von 30 Jahren das Sechsfache des Brutto-Jahreseinkommen, mit 40 Jahren das Fünffache und mit 50 Jahren das Vierfache.

Verbraucherschützerin Telkamp rät zu Tarifen mit Progression. Diese sollte im Regelfall bei 350 bis 500 Prozent liegen.

Solche Verträge hätten das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Vorteil liege darin, dass bei höheren Invaliditätsgraden eine deutlich höhere Invaliditätssumme zur Auszahlung kommt. Bei Voll-invalidität würde der Versicherungsnehmer dann das 3,5- bis 5-fache der Versicherungssumme erhalten. Eine kleine Summe für den Fall des Unfalltodes sollte man stets mitversichern, etwa 10 000 Euro, sagt Telkamp. Bei Invalidität leistet der Versicherer nämlich im ersten Jahr nach dem Unfall nur eine Vorauszahlung bis zur Höhe der Todesfallsumme. Wer auf eine Vorauszahlung verzichten kann, muss keine Todesfallsumme vereinbaren.

Privater Unfallschutz ist nicht teuer. Für eine Versicherungssumme von 100 000 Euro und eine Todesfallleistung von 10 000 Euro erhalten Erwachsene je nach Gefahrenklasse des Berufs Schutz mit Progression 500 bereits ab rund zehn Euro im Monat, Kinder schon für deutlich weniger. Dabei sollte man jedoch nicht nur auf die Beitragshöhe, sondern auch auf das Kleingedruckte und die im Grundbeitrag enthaltenen Leistungserweiterungen achten. Hier gibt es deutliche Unterschiede.

Neben einer verbesserten Gliedertaxe und höheren Servicekosten sind bei einigen Anbietertarifen auch Unfälle durch Schlaganfälle mitversichert (unter anderem bei Baden-Badener, HUK, Volkswohl-Bund, VHV). Bei Unfall durch Trunkenheit leisten in einigen Tarifen unter anderem Europa, Baden- Badener, Gothaer, Condor, Interrisk, Gerling oder VHV.

Auf Extras wie Tagegeld, Krankenhaustagegeld oder Kostenersatz für kosmetische Operationen sollte man verzichten. "Wer eine Tagegeldversicherung braucht, braucht diese nicht nur bei Unfällen, sondern auch bei Krankheit", sagt Versicherungsexperte Rudnik. Extras sollten separat abgeschlossen werden.

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