Nicht nochmal Lipobay: Bayer wehrt sich

- Leverkusen - Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer AG hat einen Bericht zurückgewiesen, wonach er in den 80ern ein Blutgerinnungsmittel mit erhöhtem Aids-Risiko nach Lateinamerika und Asien verkauft hat, obwohl ein sichereres Produkt erhältlich gewesen sei. Die "New York Times" hatte berichtet, die Bayer-Tochter Cutter Biological habe das mit dem Aids-Virus belastete Medikament für Bluter noch ein Jahr lang verkauft.

<P>Konzernsprecher Michael Diehl sprach von "alten Vorgängen" und wies das unterstellte Fehlverhalten beim Vertrieb von verunreinigten Blutplasma-Produkten Mitte der 80er Jahre zurück. Die Entscheidungen der damaligen US-Tochter Cutter wie auch der anderen Anbieter solcher Produkte hätten auf den vor knapp 20 Jahren verfügbaren besten Erkenntnissen basiert.</P><P>Insgesamt gebe es noch sieben Klagen von Betroffenen gegen Bayer in Zusammenhang mit dem Blutgerinnungsmittel. Das Unternehmen hoffe aber, mit ihnen noch einen Vergleich schließen zu können. Die in der "New York Times" zitierten Dokumente hätten schon 1984 vorgelegen.</P><P>Nachdem damals festgestellt worden sei, dass das HI-Virus durch diese Medikamente übertragen werden konnte, sei ein neues Verfahren entwickelt worden, bei dem das Virus durch Erhitzung abgetötet wurde, so der Bayer-Sprecher. Nachdem die US-Behörden dem Vertrieb zugestimmt habe, sei das neue Verfahren von Cutter angewandt worden. Bis dahin habe die Produktion der unbehandelten Medikamente aber trotz aller Risiken nicht eingestellt werden können, denn die Präparate seien für die Patienten lebenswichtig gewesen. Seit Juni 1985 seien nur noch wärmebehandelte Präparate vertrieben worden.</P><P>Gegenstand des Disputs ist ein aus menschlichem Blutplasma gewonnenes Medikament. Durch Erhitzen sei das Aids-Virus in der neuen Medikamentenvariante unschädlich gemacht worden. Mittlerweile werden laut Bayer entsprechende Medikamente mit gentechnischen Verfahren erzeugt. Der Bayer-Kurs reagierte gelassen auf die Vorwürfe.</P>

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