Gar nichts neu macht der Mai

- München/Nürnberg - Frank-Jürgen Weise wiederholt sich. Seit Monaten. Auch als er die Arbeitslosenzahlen für Mai vorstellte, sagte der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA): "Das Wirtschaftswachstum ist nach wie vor zu schwach, um dem Arbeitsmarkt Impulse zu verleihen." Erfreuliches konnte er erneut nicht berichten.

<P>Die Trendwende auf dem deutschen Arbeitsmarkt lässt weiter auf sich warten. Zwar meldeten sich im Mai um 150 000 Menschen weniger arbeitslos als im April. Der Rückgang auf 4,29 Millionen (10,3 Prozent) ist aber nicht auf ein Anziehen der Konjunktur zurückzuführen, sondern auf die übliche Frühjahrsbelebung. So schufen die warmen Temperaturen in den Freiluftbranchen Land- und Bauwirtschaft sowie der Gastronomie befristete Stellen. Dieser Effekt wirkte auch in Bayern: Die Arbeitslosenzahlen sanken um 26 400 auf 423 700 (6,5 Prozent).<BR><BR>Betrachtet man die Statistik der BA genauer, zeichnet sich wie in den Vormonaten ein düsteres Bild vom deutschen Arbeitsmarkt ab. Denn rechnet man den saisonbedingten Effekt heraus, stieg die Arbeitslosigkeit weiter an. Das Resultat: Noch nie waren in einem Mai so viele Menschen erwerbslos gemeldet wie im Mai 2004 - vorausgesetzt, man berücksichtigt bei dem Jahresvergleich die Teilnehmer von Trainingsmaßnahmen, welche die BA seit Januar nicht mehr in ihrer Statistik erfasst.<BR><BR>Angesichts der aktuellen Zahlen sprach Rainer Brüderle, der stellvertretende FDP-Parteivorsitzende, von einer "Sonnenfinsternis auf dem Arbeitsmarkt", die seit sechs Jahren andauere. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement vermied einen klaren Kommentar. Er sagte, "die Entwicklung der Arbeitsmarktzahlen zeigt, dass wir mit unseren Reformen den richtigen Kurs eingeschlagen haben".<BR><BR>Ebenso wie BA-Chef Weise macht auch das Institut der Deutschen Wirtschaft (DIW) die schlechte Konjunktur für die Situation auf dem Arbeitsmarkt verantwortlich. Man benötige ein Wirtschaftswachstum von mehr als 1,5 Prozent, um Beschäftigung aufzubauen, sagte der DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke gegenüber unserer Zeitung.</P><P>Im ersten Quartal des Jahres lag das Plus jedoch nur bei 0,4 Prozent. "Die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften ließ deswegen weiter nach", so Brenke. Nach wie vor würden Arbeitsplätze abgebaut und nicht aufgebaut. Damit sei beispielsweise zu erklären, warum die Anzahl der im Mai gemeldeten offenen Stellen gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent auf 374 000 abnahm. Auch der Rückgang der Erwerbstätigenzahl im März um 151 000 gegenüber dem Vorjahr auf 37,8 Millionen sei so zu begründen.<BR><BR>Eine leichte Entspannung auf dem Arbeitsmarkt erwartet Karl Brenke für die zweite Jahreshälfte. Er ist jedoch nicht so optimistisch wie das Wirtschaftsministerium: "Ich glaube nicht, dass die Arbeitslosenzahl dieses Jahr unter die Vier-Millionen-Grenze sinkt", sagte er. Wolfgang Clement peilt dieses Ziel - das auch von der BA-Führung als ehrgeizig betrachtet wird - nach wie vor für den Spätherbst an. Zu diesem Zeitpunkt erreichen die Arbeitslosenzahlen üblicherweise ihren Jahrestiefststand.<BR></P>

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