"Nichts ist schlimmer als ein kurzfristig planender Aktionär"

- Eine Kommission der Arbeitgeberverbände entwirft derzeit ein Modell für eine Reform der Mitbestimmung. Eines der Argumente: Der deutsche Sonderfall sei im internationalen Wettbewerb nicht zu halten. Bayerns DGB-Vorsitzender Fritz Schösser glaubt dagegen, dass die Arbeitnehmer-Vertreter in Aufsichtsräten dem Standort Deutschland helfen.

BDI-Chef Michael Rogowski nannte die Mitbestimmung einen "Irrtum der Geschichte". Was entgegnen Sie?

Fritz Schösser: Ein Irrtum der Geschichte war der Nationalsozialismus. Die Lehre war, dass alte Machtverhältnisse nicht wiederhergestellt werden durften. Daraus resultierte die Mitbestimmung. Wenn Herr Rogowski von einem Irrtum spricht, versucht er die Arbeitnehmer verantwortlich zu machen für die schwierige Wirtschaftslage.

Unternehmenskrisen wie bei Karstadt-Quelle sind trotz Mitbestimmung entstanden.

Schösser: Wir können Aufsicht und Rat sein, aber wir sind nicht diejenigen, die das operative Geschäft machen. Dafür ist schließlich der Vorstand zuständig.

Aktionärsschützer werfen den Arbeitnehmervertretern vor, nicht ausreichend qualifiziert zu sein.

Schösser: Ich sehe weniger die Qualifikation der Arbeitnehmer-Seite als Problem. Die weiß, was in ihrem Unternehmen läuft. Es gibt dagegen nichts Schlimmeres als einen kurzfristig planenden Aktionär. Eine ganze Reihe von Standort-Entscheidungen hiesiger Unternehmen wären zuletzt nicht für Deutschland ausgefallen, wenn es die Arbeitnehmer-Vertreter in den Aufsichtsräten nicht gäbe. Den Aktionären ist es egal, wo das Unternehmen steht, solange noch Geld fließt.

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