Der Niedergang eines Industriestandortes

- Nürnberg - Der Schock über die Zerschlagung des traditionsreichen Elektronik-Konzerns Grundig sitzt noch immer tief, da droht in Nürnberg schon die nächste große Werkschließung: Mit dem möglichen Aus der AEG-Waschmaschinen-Fabrik mit mehr als 1700 Arbeitsplätzen setzt sich nach Ansicht der örtlichen IG Metall der Niedergang des Industriestandorts Nürnberg wieder beschleunigt fort. Nach Einschätzung von Fachleuten ist das längst nicht das Ende der Fahnenstange; der schmerzliche Strukturwandel in der Frankenmetropole werde noch etliche Jahre andauern.

<P>Allein in der Metall- und Elektroindustrie rechnet der Nürnberger IG-Metall-Chef Gerd Lobodda in den nächsten Jahren mit dem Verlust von mehreren tausend Arbeitsplätzen - mit bitteren Folgen für die Betroffenen. "Für Leute mit einer durchschnittlichen Qualifikation gibt es praktisch keine Beschäftigung mehr in der Region", kritisiert er. Die neu entstehenden Jobs in der Dienstleistungsbranche stellten nur in seltenen Fällen für Arbeiter aus den alteingesessenen Betrieben eine Alternative dar.<BR><BR>Vieles deutet nach Loboddas Einschätzung darauf hin, dass die Industrie im Großraum Nürnberg langfristig zu einer Restgröße schrumpft. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte scheint dem Gewerkschaftsfunktionär Recht zu geben: Allein in den vergangenen vier bis fünf Jahren verlor die Stadt mit den Werkschließungen des Bahn-Herstellers Adtranz, des Turbinenproduzenten ABB Alstom, des Spraydosen-Herstellers Cebal und von Grundig knapp 6000 Arbeitsplätze.<BR><BR>Dennoch verläuft nach Einschätzung der IG Metall der Niedergang des Industriestandorts Nürnberg keineswegs ohne Widersprüche. Vor allem Mittelständler trotzten erfolgreich dem wachsenden Wettbewerbsdruck. Mit 70 000 Arbeitsplätzen stelle die Industrie in Nürnberg noch immer einen bedeutenden Wirtschaftszweig dar. Allein der Rüstungs- und Technologie-Konzern Diehl bietet im Großraum rund 3000 Menschen einen Arbeitsplatz an. Die Gründe für den zyklischen Abbau von Industriearbeitsplätzen, der häufig auch Zulieferer und so genannte industrielle Dienstleister in die Krise treibt, sind vielfältig. Ein Hauptproblem der Nürnberger Industrie stellt nach Auffassung von Experten die Abhängigkeit vieler Betriebe von internationalen Konzernen dar. Dadurch fehle den Managern oft die Identifikation mit dem Standort, wie er etwa bei Diehl stark ausgeprägt sei, wie selbst Lobodda lobt: "Die geben sich auch mit zwei bis drei Prozent Rendite zufrieden."</P>

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