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Noch brennen die Lichter. Die Petroplus-Raffinerie in Ingolstadt soll möglichst auch nach der Insolvenz weiterbetrieben werden. Denn nur so besteht die Chance, einen Investor zu finden.

Der Niedergang der Ölindustrie in Bayern

Ingolstadt – Mit der Pleite von Petroplus setzt sich ein allmählicher Niedergang der Ölindustrie in Bayern fort. Deren Aufbau gehörte einst zu den größten wirtschaftspolitischen Erfolgen des Freistaats.

Kilometerweit sieht man entlang der Donau zwischen Neuburg und Kelheim nicht enden wollende Rohrleitungen, die den lichten Laubwald überragen. Dazwischen hohe Schornsteine und gewaltige Edelstahlkessel. Hier erstreckt sich das Raffineriezentrum des Freistaats, das nach der Pleite von Petroplus mit seinen 330 Mitarbeitern einer ungewissen Zukunft entgegenblickt.

Dabei war dessen Gründung vor einem halben Jahrhundert der wohl größte Coup der jüngeren Wirtschaftsgeschichte Bayerns: 1960 besuchte Wirtschaftsminister Otto Schedl (CSU) viele der großen Ölkonzerne. Er wollte wenigstens einen davon für eine Öl-Pipeline zur Donau und einen möglichen Raffineriestandort Ingolstadt gewinnen.

Denn Bayerns Autofahrer waren damals arm dran. Wegen der Transportwege des Treibstoffs vom Rhein hatten sie immer etwas mehr fürs Benzin zu bezahlen als die im Rest Deutschlands.

Schedl hatte mehr Erfolg als erhofft: ENI, BP, Esso, Shell, Mobil Oil und Veba, mit denen er getrennt verhandelt hatte, rissen sich wenig später um fünf Standorte. Weil der Platz in Ingolstadt nur für drei Raffinerien reichte, kam eine im nahen Vohburg und noch eine in Neustadt dazu.

Bayerns Verbraucher hatten nun nicht nur Benzin im Überfluss, sondern auch billiges Heizöl. Schedl erntete daheim viel Lob, hatte aber den Zorn der Bergleute und Konzerne von der Ruhr am Hals, die nun auf ihren Halden voller teurer Kohle sitzen blieben.

Die anfängliche Erfolgsgeschichte geht nun wohl zu Ende. Es ist unklar, wie viel vom Raffinerie-Zentrum an der Donau überhaupt übrig bleibt. In Ingolstadt könnten die Lichter sogar ganz ausgehen.

Der Niedergang begann 1982. Da machte die erste der fünf, die Shell-Raffinerie in Ingolstadt, dicht.

Andere Betreiber taten sich nach und nach zusammen und führten seit 1998 eine der verbleibenden Ingolstädter Raffinerien sowie Vohburg und Neustadt als „Bayernoil“. Von Ingolstadt verabschiedete sich Bayernoil 2008. Da waren’s nur noch drei.

In Ingolstadt blieb allein die Esso-Raffinerie, die Exxon-Mobil 2007 an den Schweizer Betreiber Petroplus verkauft hatte. Nach dessen Pleite versucht nun Insolvenzverwalter Michael Jaffé, den Betrieb aufrechtzuerhalten, in der Hoffnung, einen Investor zu finden.

Die Aussichten sind bescheiden: Wer sein Geld in Raffinerien, dem traditionell ertragsschwächsten Glied in der Wertschöpfungskette rund ums Öl, stecken will, hat die Wahl. Denn nicht nur der Standort von Petroplus steht zum Verkauf. Auch Bayernoil-Hauptaktionär OMV möchte sein Engagement an der bayerischen Donau am liebsten zu Geld machen.

Allen Experten ist klar: Die Überkapazitäten der Branche schreien nach Bereinigung. Schuld ist die schrumpfende Nachfrage der Verbraucher, die immer weniger Benzin und Heizöl brauchen. Zum einen wegen sparsamerer Motoren, zum anderen, weil viele heute mit Gas heizen. Jahrelang nahmen Amerikaner dank ihrer schier unersättlichen Autos die Benzin-Überschüsse Europas ab. Doch auch dort übersteigt nun das Angebot die Nachfrage.

Auf Bayern könnte wieder das alte Problem Otto Schedls zukommen. Das fürchtet Martin Zeil (FDP), der gegenwärtige Minister. Denn nur mit Petroplus ist Bayern immer noch Nettoexporteur von Ölprodukten. Macht die Ingolstädter Raffinerie zu, käme Benzin für Bayern zum Teil wieder aus Raffinerien aus Nordrhein-Westfalen oder Baden- Württemberg.

Martin Prem

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