Niedrige Tauschquote: HVB-Aktionäre lassen Unicredit zappeln

- München - Die Übernahme der HypoVereinsbank durch die Unicredit zieht sich in die Länge. Wie am Freitag bekannt wurde, will die italienische Bank die Umtauschfrist für HVB-Aktien um zwei Wochen verlängern. Die römische Zeitung "La Repubblica" berichtete, dass eine entsprechende Entscheidung bereits gefallen ist, was beide Banken nicht dementierten. Erst war den Aktionären der HVB nur bis kommenden Montag Zeit gegeben worden, ihre Anteilsscheine im Verhältnis eins zu fünf gegen Unicredit-Papiere zu wechseln.

Aus Münchner Finanzkreisen hieß es, dass wettbewerbsrechtliche Probleme den Zusammenschluss bremsen. Unter anderem in Polen machten die Kartellbehörden Schwierigkeiten, weil dort Unicredit und HVB gemeinsam den Finanzmarkt beherrschen würden. Zudem wollen die Marktaufseher offenbar einen Jobabbau verhindern, der nach der Bankenehe im Nachbarland droht. Angeblich stehen 3000 Stellen auf dem Spiel.

Nach Ansicht von Marco Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ist dies jedoch nicht der Hauptgrund für die Verlängerung der Umtauschfrist. "Ich halte die Wettbewerbsprobleme nicht für gravierend", sagte er gegenüber unserer Zeitung. Vielmehr habe die Unicredit ihre gewünschten Anteile noch nicht zusammen. Auch italienische Medien berichteten, die niedrige Umtauschquote habe die Führung der Bank dazu bewegt, die Frist zu verschieben.

Das Mailänder Institut hat sich vorbehalten, die HVB nur dann zu schlucken, wenn sie mindestens 65 Prozent des Aktienkapitals der Münchner Bank einsammelt. Dieses Ziel hatte sie zuletzt trotz einer umfangreichen Anzeigenkampagne noch nicht erreicht: Am Donnerstagabend lag die Quote bei nur zwölf Prozent. Noch nicht eingerechnet sind dabei jedoch die Aktienpakete der Münchener Rück (18,3 Prozent) und des Freistaates Bayern (3,7 Prozent), deren Umtausch bereits angekündigt wurde.

Nach Einschätzung von Aktionärsschützer Kurz ist es jedoch nicht ungewöhnlich, dass sich Investoren bei Übernahmen mit dem Wertpapier-Tausch Zeit lassen. "Die machen sich Hoffung, dass sie noch ein paar Euro mehr verdienen", sagte der DSW-Experte. So hat schon der Hedgefonds GAM die Offerte als zu niedrig abgelehnt. Auch der Hedgefonds Altima will seine Anteile zunächst nicht tauschen. "Wir sind gegen die Übernahme, da wir der HVB nach dem Abarbeiten ihrer Probleme gute Kurschancen zutrauen", sagte ein Mitarbeiter dem "Handelsblatt".

Es gilt allerdings als unwahrscheinlich, dass Unicredit das Umtauschverhältnis zu Gunsten der Aktionäre aufstockt; Vorstand Alessandro Profumo hatte dies zuletzt kategorisch abgelehnt. Beobachter gehen eher davon aus, dass er die Annahmeschwelle von 65 Prozent notfalls nach unten korrigiert. Dass der italienische Banken-Chef die Übernahme abbläst, wird derzeit ausgeschlossen. DSW-Experte Kurz sagte: "Ich bin überzeugt, dass der Zusammenschluss über die Bühne geht."

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