Nike auf den Fersen: Adidas übernimmt Reebok

- München/Herzogenaurach - Die deutschen Sportartikelhersteller blasen zum Angriff auf Marktführer Nike. Nachdem Puma vergangene Woche einen aggressiven Expansionskurs angekündigt hatte, gab nun Adidas überraschend bekannt, Wettbewerber Reebok zu schlucken. Trotz kritischer Stimmen legte die Aktie des Traditionskonzerns deutlich zu.

Ursprünglich hatte es geheißen, Adidas wolle am Mittwoch nur die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2005 vorstellen. Aber dann schlug Unternehmens-Chef Herbert Hainer am Vormittag auf die Pauke: "Zusammenschluss von Adidas und Reebok", ließ er vermelden. Die beiden Konkurrenten hätten sich geeinigt, dass die weltweite Nummer zwei aus Deutschland die Nummer drei aus den USA für rund 3,1 Milliarden Euro übernimmt - vorausgesetzt, Kartellbehörden und Aktionäre legen sich nicht quer.

"Dies ist eine einmalige Chance, zwei der angesehensten und bekanntesten Unternehmen der Sportartikelindustrie zusammenzuführen", sagte Hainer. Zusammen mit Reebok werde man die Marktposition deutlich verbessern. Beide Unternehmen kommen gemeinsam auf einen Jahresumsatz von knapp neun Milliarden Euro. Damit bleibt Adidas zwar weiterhin Zweiter im Sportgeschäft, rückt Marktführer Nike mit zuletzt elf Milliarden Euro aber näher auf die Pelle.

Dem Erzrivalen dürfte das Bauchschmerzen bereiten. Denn erklärtes Ziel von Adidas ist es, mit der Übernahme vor allem die Stellung im USA-Geschäft zu verbessern. Nordamerika ist der weltweit wichtigste Markt, 50 Prozent der Branchenumsätze werden dort erwirtschaftet. Aber Adidas tat sich dort schon immer schwer, während Nike seit Jahren das Geschehen dominiert. Das soll sich nun mit einem Schlag ändern.

"Adidas ist der perfekte Partner für Reebok", sagt Paul Fireman, bisheriger Chef des Übernahme-Kandidaten. Das Unternehmen aus Canton im US-Bundesstaat Massachusetts ist der zweitgrößte Sportschuhhersteller in den USA. Zudem steht Reebok in den populären US-Sportarten Basketball und Hockey gut da, während sich die Deutschen eher in den klassischen Bereichen Fußball, Laufen und Golf etabliert sehen. "Die neue Adidas-Gruppe wird im amerikanischen Sport eine komplette Produktpalette anbieten können", erklärte Hainer. Die Marke Reebok soll dabei erhalten bleiben.

Reebok in Oberhaching: Keine Garantie

Vorteile sieht der gebürtige Niederbayer auch auf der Kostenseite. Durch den Zusammenschluss könnten jährlich 125 Millionen Euro gespart werden. Dabei werde aber nicht mit einer wesentlichen Reduzierung der Belegschaft gerechnet, hieß es. Ob die Vertriebszentale von Reebok in Oberhaching bestehen bleibt oder an den Adidas-Hauptsitz ins fränkische Herzogenaurach verlagert wird, steht noch nicht fest. Ein Adidas-Sprecher sagte auf Nachfrage nur: "Die nächsten sechs bis neun Monate gibt es keine Veränderung in Oberhaching."

Die Börse zeigte sich angetan von der Fusions-Nachricht, Adidas-Aktien legten gestern um zeitweise 7,6 Prozent zu. "Die Übernahme macht strategisch Sinn", begründete Matthias Gmeinwieser, Analyst der BayernLB, den Kurssprung gegenüber unserer Zeitung. "Wir sehen das positiv."

Andere Analysten äußerten sich hingegen kritisch: Uwe Weinreich von der HypoVereinsbank bewertete den Übernahmepreis in einem Kurzbericht als "ambitioniert", da er rund ein Drittel über dem aktuellen Börsenwert von Reebok liegt. Gavin Finlayson von der Commerzbank sagte der Nachrichtenagentur Dow Jones, die Schulden stiegen und gleichzeitig erwecke Adidas den Eindruck, es in den USA nicht alleine zu schaffen.

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