+
Nissan und Mitsubishi Motors arbeiten bereits bei Kleinstwagen zusammen.

Nach Manipulations-Skandal

Nissan steigt bei Mitsubishi Motors ein

Tokio - Im Skandal um gefälschte Verbrauchsangaben springt der japanische Autobauer Nissan seinem Partner Mitsubishi bei - und schließt damit gleichzeitig zu den Weltmarktführern Toyota und Volkswagen auf.

Nissan werde einen Anteil von 34 Prozent an Mitsubishi für umgerechnet 1,9 Milliarden Euro kaufen, teilten beide Unternehmen am Donnerstag mit. Damit steigt Nissan zum größten Anteilseigner bei Mitsubishi auf.

Mitsubishi hatte zugeben müssen, seit 25 Jahren in Japan bei der Verbrauchsmessung nicht zugelassene Tests genutzt zu haben. Dadurch wurden die Verbrauchsangaben von hunderttausenden Fahrzeugen in Japan geschönt. Die Bestellungen und der Aktienkurs von Mitsubishi brachen stark ein.

Der Einstieg von Nissan werde Mitsubishi nun "enorme Vorteile bringen", sagte Nissan-Chef Carlos Ghosn. "Aber auch Nissan wird profitieren." Er verwies auf die gute Position von Mitsubishi in Südostasien, wo Nissan bislang eher Probleme hat. Mitsubishi-Chef Osamu Masuko sagte, die Lage in Japan habe sich geändert, "es ist schwierig, allein zu überleben". In Japan gibt es acht Autobauer, darunter Toyota, Honda, Suzuki oder Mazda.

Ghosn betonte, beide Hersteller blieben eigenständig, mit eigener Strategie und eigener Geschäftsführung. Nissan wird jedoch einige Vertreter in den Verwaltungsrat von Mitsubishi entsenden.

Ghosn vergrößert mit dem Einstieg bei Mitsubishi sein Imperium. Er leitet bereits Nissan und Renault - der französische Hersteller hält 43 Prozent an Nissan, und Nissan 15 Prozent an Renault. Zusammen mit Mitsubishi produzieren die Firmen im Jahr rund 9,5 Millionen Autos. Zum Vergleich: Bei Toyota liefen im vergangenen Jahr 10,5 Millionen Autos vom Band, bei Volkswagen waren es 9,9 Millionen.

"Ich habe den Eindruck, Ghosn will seine Karriere krönen", sagte der Analyst Seiji Sugiura vom Forschungsinstitut Tokai in Tokio. Der Konzernchef habe die Gelegenheit ergriffen und sich Mitsubishi zum günstigen Preis geschnappt.

Nissan und Mitsubishi sind bereits Partner: Nissan beliefert Mitsubishi mit Limousinen. Mitsubishi wiederum baut für Nissan Kleinstwagen zusammen. Durch Nissan war der Skandal um gefälschte Verbrauchsangaben bei Mitsubishi überhaupt erst ans Licht gekommen. Das Unternehmen hatte Unregelmäßigkeiten bei Verbrauchsmessungen entdeckt und Mitsubishi darüber informiert.

Mitsubishi - Betrug bei Verbrauchsangaben

afp

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Weltbank: Wohlhabende Länder sollen höhere Zinsen zahlen
Klimawandel, Flüchtlinge und Pandemien - das Spektrum der Weltbank ist größer geworden. Nun bekommt die Weltbank mehr Kapital für Entwicklungsprojekte und neue …
Weltbank: Wohlhabende Länder sollen höhere Zinsen zahlen
Zeitung: Post zahlt neuen Postboten hohes Einstiegsgehalt
2172 Euro Gehalt hören sich nicht nach viel an. Doch die Deutsche Post zahlt ihren künftigen Zustellern dieses Salär nach einem Zeitungsbericht bereits während der …
Zeitung: Post zahlt neuen Postboten hohes Einstiegsgehalt
Globale Risiken dämpfen Hoffnung auf Top-Konjunktur
Noch zum Jahresanfang waren die meisten von ihnen geradezu euphorisch gewesen - inzwischen macht sich bei Volkswirten deutscher Großbanken zum Thema Konjunktur eine …
Globale Risiken dämpfen Hoffnung auf Top-Konjunktur
EU und Mexiko erzielen Durchbruch für neues Handelsabkommen
Nach den protektionistischen Tönen aus den USA rückt die EU mit alten Handelspartnern näher zusammen, in diesem Fall Mexiko. Man glaube an offenen und regelbasierten …
EU und Mexiko erzielen Durchbruch für neues Handelsabkommen

Kommentare