Noch fördert der Staat private Häuslebauer für acht Jahre

- Noch schenkt der Staat seinen Bürgern Geld zur Anschaffung der eigenen vier Wände. Doch die Eigenheimzulage steht auf der Kippe. Ob Immobilienkäufer und Bauherren Wohneigentum in naher Zukunft ganz allein finanzieren müssen, weiß zurzeit niemand. "Experten befürchten, dass sie 2006, spätestens aber 2007 gestrichen wird", sagt Betina Chill von "Finanztest".

Die Regierungsneubildung in Berlin dürfte Häuslebauern jetzt noch einmal eine Verschnaufpause gebracht haben. "Wir rechnen damit, dass wenigstens bis Frühjahr 2006 alles beim Alten bleibt", meint Baufinanzierungsfachfrau Chill. Wer die lukrativen Fördermittel haben will, wird allerdings bald in die Gänge kommen müssen. "Jeder, der erst im nächsten Jahr kaufen oder bauen will, muss darauf gefasst sein, dass sie wegfällt", so die Einschätzung von Josephine Holzhäuser, Bauexpertin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Auf die lange Bank sollte ein Immobilienvorhaben also nicht mehr geschoben werden. Das gilt zumindest für diejenigen, die in dieser historischen Niedrigzinsphase bereits ein geeignetes Objekt ausgemacht und seinen Finanzbedarf ausgerechnet haben. "Ist das Projekt schon weit gediehen, sollte ich zusehen, dass ich das wunderbare Bonbon mitnehmen kann", meint Holzhäuser.

Es lohnt sich: An Eigenheimzulage fließen jährlich 1250 Euro plus 800 Euro pro Kind. Und zwar acht Jahre lang. Eine Familie mit zwei Kindern kommt so auf 22 800 Euro an staatlichem Zuschuss - eine ordentliche Stange Geld, die in Zukunft womöglich selbst gestemmt werden muss. Allerdings gibt es Einkommensgrenzen. Anspruch auf Zulage haben momentan Ehepaare, die im Jahr des Kaufs oder der Fertigstellung und im Jahr zuvor zusammengerechnet höchstens 140 000 Euro verdienten. Ledige dürfen maximal 70 000 Euro verdienen. Für jedes Kind im Haus erhöht sich die Grenze um 30 000 Euro.

Wichtig zu wissen: Wer einmal die Zulage gewährt bekam, kriegt sie die ganze Laufzeit über. "Nachträgliche Änderungen sind nicht drin", betont Holzhäuser. Würde der Eigenheimzuschuss nächstes Jahr abgeschafft, blieben die bislang Geförderten davon unberührt. Auch wenn ein Ehepaar im Laufe der Jahre über die Einkommensgrenzen hinaus verdient oder das Kind später auszieht, spielt das keine Rolle. Gewährt ist gewährt, volle acht Jahre lang.

Ähnliches gilt für Bauherren: Wer beispielsweise bis zum 31. Dezember Bauantrag, Bauanzeige oder die Bauunterlagen einreicht, hat die Eigenheimzulage sicher in der Tasche. Dabei ist unerheblich, ob schon bald mit dem Aushub angefangen oder der Antrag zunächst nur auf Vorrat gestellt wird. Dem Häuslebauer bleiben sechs Jahre Zeit, seinen Bauplan zu verwirklichen, ehe der Antrag auf Eigenheimzulage verfällt.

Der achtjährige Förderzeitraum beginnt nämlich erst mit dem Jahr der Anschaffung, an dem Tag, an dem Nutzen und Lasten der Immobilie auf den Käufer übergehen. Das erste Geld gibt es zudem erst beim Einzug. Wegen des staatlichen Geldgeschenks allein sollte sich grundsätzlich niemand in das "Abenteuer Hausfinanzierung" stürzen, warnt Holzhäuser. Schon gar nicht überhastet. "Wenn ich mir die eigenen vier Wände nur leisten kann, weil ich anfangs die Zulage kriege, kann das in der Katastrophe enden", gibt die Verbraucherschützerin zu bedenken. Die Förderung sei ein "schönes Sahnehäubchen", mahnt auch Chill zur Besonnenheit. Ausschlaggebender seien allerdings die derzeitige Traumzinslage und ein solides Finanzierungskonzept.Verbraucherschützer sind sich einig darin, dass sich die Bundesbürger darauf einstellen müssten, ihre selbst genutzte Immobilie schon in absehbarer Zukunft ganz allein zu finanzieren.

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