Noch kein Durchbruch bei Infineon

- München - Bei dem ersten Krisengespräch zwischen IG Metall und Konzernführung seit dem Beginn des Streiks im Infineon-Werk München-Perlach hat es noch keinen Durchbruch gegeben. "Wir haben uns darauf verständigt, dass wir am Donnerstag weiter reden. Ein Ergebnis hat es nicht gegeben", sagte Metallarbeitgeber-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt am Mittwoch der dpa in München.

Die IG Metall will ihren Streik trotz der ersten Kontakte fortsetzen. Die Gewerkschaft hatte das von Schließung bedrohte Werk mit der unbefristeten Arbeitsniederlegung seit Montag weitgehend lahmgelegt. Sie will höhere Abfindungen und eine Beschäftigungsgesellschaft für die 800 betroffenen Mitarbeiter durchsetzen, wenn das Werk Anfang 2007 dicht gemacht wird.

Gewerkschaft, der Verband der bayerischen Metall- und Elektroindustrie und die Konzernführung trafen sich am Mittwochnachmittag unter Moderation von Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU). Zu inhaltlichen Ergebnissen wollten sich beide Seiten im Anschluss nicht äußern. "Wir haben über viele Themen gesprochen", sagte Brossardt. Arbeitgeber und Gewerkschaft dankten Wiesheu für seine Vermittlung.

Die IG Metall will ihren Streik trotz der leichten Fortschritte fortsetzen. "Es geht so weiter wie bisher, der Streik wird nicht ausgesetzt", sagte Streikführer Michael Leppek. Auch am Mittwoch hatten sich wieder mehrere hundert Protestler vor den Werkstoren versammelt.

Die Infineon-Führung wertete die Entwicklung positiv. "Wir begrüßen, dass die IG Metall ihre Blockadehaltung jetzt aufgibt und bereit ist, über Abfindungen und Qualifizierungsmaßnahmen zu reden", sagte Manager Reinhard Ploss. Allerdings sind Infineon und Gewerkschaft noch weit voneinander entfernt. Die IG Metall hatte drei Monatsgehälter Abfindung je Jahr der Betriebszugehörigkeit und eine fünfjährige Beschäftigungsgesellschaft gefordert. Dagegen bot Infineon 0,33 Monatsgehälter für ein Jahr und eine Auffanggesellschaft. "Diese Angebote sind unter aller Kanone", sagte dazu Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer. "Mickriger geht es gar nicht." Allerdings war von beiden Seiten zu hören, dass bei beiden Themen ein Kompromiss durchaus vorstellbar ist.

Infineon betonte am Mittwoch, dass trotz der Arbeitsniederlegung derzeit die Produktion in dem Werk auf niedrigem Niveau laufe. Die IG Metall bestritt dies. "Es ist nur ein Notdienst vor Ort, der darauf achtet, dass die Anlagen nicht kaputtgehen. Eine Produktion findet nicht statt", sagte Streikführer Leppek.

Brossardt von den Arbeitgebern bekräftigte auch nach dem Treffen, der Streik sei nach seiner Einschätzung rechtswidrig, da es einen laufenden Tarifvertrag gebe. Die IG Metall wiederum legte am Mittwoch beim Landesarbeitsgericht Beschwerde ein gegen eine einstweilige Verfügung der Konzernleitung, die eine Räumung der Werkstore vorsieht.

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