Noch profitieren nicht alle vom Aufschwung

- Trotz des anhaltenden Rückgangs der Arbeitslosenzahlen in Deutschland warnen Fachleute vor zu viel Euphorie. Zum einen profitieren noch immer hunderttausende Menschen ohne Job nicht vom derzeitigen Aufschwung. Zum anderen blockiert in einigen Boom-Branchen ein Fachkräftemangel das weitere Wachstum.

München - Auch wenn die anhaltend kräftige Konjunktur zu sinkenden Arbeitslosenzahlen führe, gebe es nach wie vor Probleme, sagte der Vorstand der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, bei der Vorlage der aktuellen Arbeitsmarkt-Statistik in Nürnberg. So sei die Zahl älterer Menschen und gering qualifizierter ohne Arbeit noch immer zu hoch. Es gebe weiterhin zu viele Arbeitslose unter 20 Jahren und auch die Langzeitarbeitslosen würden vom derzeitigen Aufschwung noch zu wenig profitieren.

Erfreut über die generelle Erholung am Stellenmarkt, aber ebenfalls beschwichtigend äußerte sich Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD). Der Rückgang der Arbeitslosigkeit sei ein Grund zur Freude, aber nicht zum Ausruhen, sagte der SPD-Minister in Berlin. Als Besorgnis erregend bezeichnete Müntefering die große Differenz der Arbeitslosigkeit im Westen (Quote: 7,8 Prozent) und der im Osten (15,9 Prozent).

Im April war die Zahl der Menschen ohne Job auf 3,967 Millionen gesunken und damit erstmals seit November 2006 wieder unter die Vier-Millionen-Marke. Im Vergleich zum März entspricht das einem Rückgang um 141 000; gegenüber dem April 2006 meldeten sich 824 000 Erwerbsfähige weniger arbeitslos. Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,3 Punkte auf 9,5 Prozent. Einen Teil der Zahlen hatte Müntefering bereits am 1. Mai bekannt gegeben.

Getragen vom Konjunkturaufschwung und einer leichten Frühjahrsbelebung nahm die Zahl der Arbeitslosen auch in Bayern deutlich ab. 374 200 Menschen waren im April arbeitslos gemeldet, wie die für Bayern zuständige Regionaldirektion der BA mitteilte. Dies seien 32 600 weniger gewesen als noch im März und 114 900 weniger als vor einem Jahr. Erstmals in diesem Jahr sank die Zahl damit wieder unter die Marke von 400 000. Die Joblosenquote ging um 0,5 Punkte auf 5,7 Prozent zurück.

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Angesichts des anhaltend kräftigen Wirtschaftswachstums geht die BA davon aus, dass sich die Zahl der Arbeitslosen im Jahresverlauf weiter verringern und - einen erneut milden Winter vorausgesetzt - auch dauerhaft unter vier Millionen liegen könnte. Für den Jahresdurchschnitt bestätigte die Behörde die Prognose ihres Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das zwischen 3,8 und 3,9 Millionen Arbeitslose voraussagt. "Sollten sich die Zahlen im Mai nochmals verbessern, könnten es auch genau 3,8 Millionen sein", sagte Weise. Für das Jahr 2008 schließt der BA-Vorstand sogar eine durchschnittliche Arbeitslosenzahl von 3,5 Millionen nicht aus.

Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz und der Dresdner Bank, wagt sogar einen Blick auf das Jahr 2009: Angesichts des aus seiner Sicht sensationellen Rückgangs der Arbeitslosigkeit in den vergangenen zwei Jahren könne dann sogar die Drei-Millionen-Marke unterschritten werden, sagte Heise der "Bild"-Zeitung.

Laut einer Studie der Postbank verursacht der Aufschwung am Arbeitsmarkt bereits einen Fachkräftemangel. Besonders dramatisch seien die Engpässe bei IT-Fachkräften und Ingenieuren, berichtet die Bank. Dadurch werde zunehmend das Wirtschaftswachstum behindert. Allein 2007 könnte demnach ein Wertschöpfungsbeitrag von acht Milliarden Euro ausfallen, wenn zehn Prozent der derzeit 651 000 offenen Stellen dauerhaft nicht besetzt werden könnten.

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