Noch schützt Sozialauswahl- Familienväter bei Kündigungen

- Die aktuelle Diskussion um eine Lockerung des Kündigungsschutzes verunsichert die Arbeitnehmer: Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten werden solche Vorhaben schnell als Bedrohung aufgefasst. Der jetzt geltende Kündigungsschutz bietet dagegen betroffenen Arbeitnehmern viele Möglichkeiten. Deshalb sollte man trotz allgemeiner Krisenstimmung eine Kündigung nicht einfach hinnehmen, sondern sich informieren, was der Arbeitgeber darf und was nicht.

<P>Kündigungsschutz</P><P>Ist ein Mitarbeiter länger als sechs Monate in einem Betrieb beschäftigt, der mehr als fünf Angestellte hat, greift der Kündigungsschutz.<BR><BR>Nach diesem muss eine Kündigung schriftlich, inklusive Originalunterschrift einer zur Kündigung berechtigten Person erfolgen. Wer seinen Jobverlust per E-Mail, Telegramm oder mündlich mitgeteilt bekommt, kann ihn einfach ignorieren.<BR><BR>Der Arbeitgeber hat sich auch an die Kündigungsfrist zu halten, die mindesten vier Wochen lang sein muss. Gekündigt werden kann zum 15. oder zum Ende des Kalendermonats. Im Einzelvertrag kann die Frist verlängert, aber nicht verkürzt werden. In Tarifverträgen ist eine Verkürzung dagegen erlaubt.<BR><BR>Kündigungsgrund</P><P>Der Chef muss im Kündigungsschreiben nicht die Gründe für den Rauswurf angeben, außer es ist im Arbeitsvertrag so festgelegt oder es handelt sich um eine betriebsbedingte Kündigung. Momentan sind betriebsbedingte Gründe die häufigsten für einen Jobverlust: Hat der Betrieb einen großen Auftragsrückgang zu verzeichnen und muss rationalisieren, darf er Arbeitsplätze abbauen.<BR>Sozialauswahl</P><P>Die Sozialauswahl verpflichtet den Arbeitgeber, eher dem jungen Single zu kündigen als dem älteren Familienvater, der schon länger im Betrieb arbeitet. Auch andere soziale Aspekte wie Berufskrankheit, Schwerbehinderung oder Chancen auf dem Arbeitsmarkt nach der Entlassung können hierbei eine Rolle spielen.<BR><BR>Änderungskündigung</P><P>Eine andere Kündigungsvariante ist die Änderungskündigung. Hier soll der Mitarbeiter sein bisheriges Aufgabengebiet aufgeben, erhält aber gleichzeitig ein neues Vertragsangebot. In diesem Fall sollte der Mitarbeiter das Angebot nur unter Vorbehalt annehmen und gerichtlich prüfen lassen, ob die Jobveränderung auch rechtmäßig ist.<BR><BR>Einspruchsmöglichkeit</P><P>Erfüllt eine Kündigung nicht die rechtlich vorgeschriebenen Kriterien, kann der Arbeitnehmer innerhalb von drei Wochen mit einer Kündigungsschutzklage vor Gericht ziehen. Gewinnt er, bleibt entweder der Arbeitsplatz erhalten oder das Gericht ordnet eine Abfindungszahlung an. Prozesse vor dem Arbeitsgericht können sich allerdings über Jahre hinweg ziehen. <BR><BR>Gerichtskosten</P><P>In der ersten Instanz trägt jede Partei ihre Kosten selbst, ab der zweiten trägt diejenige Partei die Kosten, die verliert. Für beide Seiten günstiger ist deshalb oft die außergerichtliche, gütliche Einigung: Chef und Mitarbeiter einigen sich in einem Aufhebungsvertrag darauf, das Arbeitsverhältnis aufzulösen, und handeln eine Abfindung aus. Führungskräften werden nicht selten 1,5 Monatsgehälter pro Jahr Betriebszugehörigkeit gezahlt. Allerdings verliert der Arbeitnehmer durch den Aufhebungsvertrag seinen gesetzlichen Kündigungsschutz - nachträglich kann er den Jobverlust nicht mehr vor Gericht anfechten.</P>

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