Noch viele Jahre Airbus-Lehrgeld

EADS: - München - "Es ist immer ein Kabel, das Probleme macht", witzelte EADS-Co-Chef Tom Enders, als er sich mit dem Mikrofonkabel verhedderte. Kabel-Probleme beim A 380-Projekt haben dem Konzern die Bilanz verhagelt: Fast alles, was die anderen Bereiche verdienten, wurde bei Airbus verbrannt. Magere 99 Millionen Euro bleiben unterm Strich übrig.

Im Vorjahr waren es noch 1,7 Milliarden. "Airbus hat das schlimmste Jahr seiner Geschichte hinter sich", sagte Enders‘ Kollege Louis Gallois.

Doch sind es nicht nur Kabel-Probleme, mit denen EADS kämpft. Auch ein zweites Großprojekt des Luftfahrtriesen läuft nicht richtig rund. Der Militär-Airbus A400M, liegt drei Monate hinter dem Zeitplan. "Es ist nicht ein Flugzeug wie alle anderen", sagt Gallois über den Transporter mit Propeller-Antrieb. "Wir müssen den Turboprop neu entdecken." Immerhin hat Enders die Hoffnung, die Verspätung bis zur Erstauslieferung 2009 wieder aufzuholen. "Wir haben aus dem A380 gelernt."

Dessen Verzögerung um zwei Jahre hat bisher zu Belastungen von 2,5 Milliarden Euro geführt. Allein 800 Millionen waren Ausgleichszahlungen für Kunden, die länger auf ein Flugzeug warten müssen. Im Herbst soll endlich das erste Großraumflugzeug an Singapore-Airlines geliefert werden. 2008 sind insgesamt 13 Auslieferungen geplant.

Das Lehrgeld wird noch in mehreren Jahresraten gezahlt. So soll im laufenden Jahr der Gewinn ähnlich mager ausfallen wie 2006. Erst mittelfristig, so Gallois, in vier bis sechs Jahren, soll der Konzern wieder an die Margen vergangener Jahre anknüpfen. Doch selbst dann würde der Gewinn nicht mehr so hoch ausfallen wie 2005.

Eine eher düstere Perspektive für einen Konzern, der gerade das umsatzstärkste Jahr aller Zeiten hinter sich gebracht hat: Auf 39,4 Milliarden summierten sich die Erlöse. So gute Geschäfte erwartet der Konzern für das laufende Jahr nicht.

Als Grund nannte Gallois vor allem den schwachen Dollar. Doch mittelfristig zehren andere Faktoren an den Einnahmen des Konzerns. Vor allem der ungünstigere Modellmix bei Airbus: Da die derzeit größeren Modelle nur schwer verkäuflich sind und der A380 noch auf sich warten lässt, bringen vor allem die kleinen und vergleichsweise billigeren Modelle 318 bis 321 Geld in die Kassen, die daher weniger stark klingeln. Dies gilt, obwohl die Auslieferungen auch heuer steigen werden - von 434 auf 440 bis 450, erwartet Louis Gallois. 2005 waren es 378 Stück.

Erstmals räumt der Konzern indirekt ein, dass Flugzeuge von Airbus derzeit nur noch durch Zugeständnisse an Kunden verkauft werden können. Der Umsatz werde auch von der Preisgestaltung für die jüngsten Aufträge beeinflusst. Ein Glück für EADS, dass außer Airbus alle großen Sparten Geld in die Konzernkassen bringen. Eurocopter, die Raumfahrtsparte Astrium, das Verteidigungsgeschäft und die Militär-Transportflugzeuge standen zusammen für 800 Millionen Euro Vorsteuergewinn. Im nächsten Jahr erwartet Gallois sogar eine Milliarde.

Auch die Mittel, die EADS zur Verfügung hat, können sich selbst in der Krise noch sehen lassen. Obwohl der Konzern 2,9 Milliarden für die Airbus-Anteile von BAE-Systems zahlte, verfügt der Konzern über eine Netto-Liquidität von 4,2 Milliarden Euro. Das ist zwar deutlich weniger als die 5,5 Milliarden Euro Ende 2005, doch immer noch mehr als Ende 2004. Damals waren es 4,0 Milliarden Euro.

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