Nokia Siemens: Stellenabbau trifft Deutschland besonders hart

- München - Der Stellenabbau bei Nokia Siemens Networks trifft die deutschen Standorte besonders hart. 2800 bis 2900 Arbeitsplätze sollen hierzulande bis Ende 2010 abgebaut werden, teilte das kürzlich von Siemens und dem finnischen Nokia-Konzern gegründete Gemeinschaftsunternehmen mit.

Insgesamt streicht der Anbieter von Telekommunikations-Infrastruktur 9000 seiner 60 000 Arbeitsplätze. Damit liegt der Personal-Einschnitt am oberen Rand dessen, was Siemens und Nokia vor knapp einem Jahr angekündigt hatten. Gesamtbetriebsratschef Georg Nassauer verurteilte die Pläne als "Kriegserklärung an die Belegschaft".

"Dies ist ein notwendiger Schritt, um Nokia Siemens Networks heute und für die Zukunft wettbewerbsfähig aufzustellen", erklärte Unternehmenschef Simon Beresford-Wylie. Ihm sei bewusst, dass die "Maßnahmen zum Personalabbau für die Betroffenen schwerwiegend sind". Viele Kunden seien mit starkem Kostendruck, hartem Wettbewerbsdruck und neuen Geschäftsmodellen konfrontiert, sagte Vorstand Christoph Caselitz. An diese Situation müsse man sich anpassen.

Weltweit reduziert Nokia Siemens die Zahl seiner Arbeitsplätze um 15 Prozent. Während der Abbau in Finnland mit 1500 bis 1700 von 10 000 Stellen etwa dieser Quote entspricht, spürt Deutschland mit einer Quote von über 20 Prozent den Einschnitt deutlich stärker. Hier fallen fast 3000 von 13 000 Arbeitsplätzen weg. Zur Frage, welche Standorte und Bereiche betroffen sind, wollte sich ein Unternehmenssprecher nicht äußern. Dies sei Gegenstand der anstehenden Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern. Doch dürfte München, wo fast die Hälfte der deutschen Arbeitsplätze des Unternehmens beheimatet ist, starke Einschnitte spüren.

Nokia Siemens hofft auf Einsparungen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Zusätzlich zum Stellenabbau könnte die Belegschaft in Deutschland und Finnland über die Abtrennung von Sparten verkleinert werden. "Das Unternehmen prüft in beiden Ländern Optionen zu weiteren Anpassungen durch Geschäftsverlagerungen an Partnerunternehmen", heißt es in einer Mitteilung von Nokia Siemens. "Wir werden diejenigen, die Nokia Siemens Networks verlassen, mit Fairness und Respekt behandeln", teilte Personalchef Bosco Novak mit. Dies erfordere eine enge Zusammenarbeit mit Arbeitnehmervertretern. Man strebe dazu einen konstruktiven Dialog an.

Die IG Metall hat Widerstand gegen die Abbaupläne angekündigt. "Das werden wir überhaupt nicht akzeptieren", sagte Georg Nassauer gegenüber dieser Zeitung. Man sei davon ausgegangen, dass die Stellenstreichung bei Nokia Siemens weniger massiv ausfallen würde. Es handle sich um eine Hau-Ruck-Aktion, kritisierte Nassauer. "Die Mitarbeiter sind stocksauer."

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