Nordamerikanische Ford-Krise eskaliert

- New York - Mit den stärksten Produktionskürzungen seit mehr als 20 Jahren will Ford-Konzernchef Bill Ford die aufgeblähten Neuwagenhalden auf den Höfen der amerikanischen Händler abbauen, die ruinösen Verkaufsanreize reduzieren und die Fertigung der rasant fallenden Nachfrage anpassen. Im Schlussquartal 2006 soll die Produktion in Nordamerika um 21 Prozent oder rund 168 000 Fahrzeuge gekappt werden.

Der Konzern reagierte damit auf die schlimmer werdende nordamerikanische Ford-Misere, die heuer zu Milliardenverlusten führen dürfte. Im September soll eine Neuauflage des erst im Januar vorgelegten und inzwischen als unzureichend an-gesehenen Sanierungsplans "Way Forward" (Weg vorwärts) für die schwer angeschlagenen nordamerikanischen Operationen folgen.

Ursprünglich wollte der Ford-Chef bis 2012 insgesamt 14 nordamerikanische Fabriken schließen und bis zu 30 000 Mitarbeiter nach Hause schicken. Angesichts des Absatzeinbruchs auf dem heimischen Markt dürfen zusätzliche und beschleunigte Werksschlie-ßungen und noch umfangreichere Entlassungen angekündigt werden. Der dringende Handlungsbedarf wird an den Milliardenver-lusten in Nordamerika deutlich. Die Produktionskürzungen könnten Zusatzverluste von 1,4 Milliarden Dollar bringen, schätzte ein J.P.Morgan-Analyst nach einem Bericht der "Detroit News". Er geht für das laufende Jahr für Nordamerika bei Ford von einem Vorsteuerverlust von vier Milliarden Dollar und für 2007 von roten Zahlen in Höhe von 1,9 bis 2,7 Milliarden Dollar in der Region aus.

bei Ford von einem Vorsteuerverlust von vier Milliarden Dollar und für 2007 von roten Zahlen in Höhe von 1,9 bis 2,7 Milliarden Dollar in der Region aus.

Die Rating-Agentur Fitch hat ihre Kreditratings von Ford und seiner Finanztochter Ford Motor Credit noch tiefer in das Schrottanleihen- Terrain gebracht. Fitch verwies auf den anhaltenden Absatzschwund bei den Ford-Pickups und bei den mittleren und großen Geländewagen. Dies waren bisher die großen Ford-Gewinnbringer in Nordamerika. Sie stellten fast zwei Drittel des US-Gesamtabsatzes.

Ford hat seit Jahresbeginn in den USA einen Absatzrückgang von fast zehn Prozent erlebt. Dabei gab es bei den großen Geländewagen und Pickup-Modellen teil-weise dramatische Einbrüche, die durch leicht steigende Pkw-Verkäufe nur teilweise wettgemacht werden konnten

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