Nord-Süd-Streit der Gründerzentren: Bayern verlassen Bundesverband

- Berlin - Aller Anfang ist schwer, gerade für junge Unternehmer. Der Einstieg in die "Existenzgründung" wird von Hemmnissen behindert - einen Finanzier zu finden, ist nur eines davon. Schützenhilfe leistet der Bundesverband Deutscher Innovations-, Technologie- und Gründerzentren (ADT). Der unterstützt seit über 20 Jahren Gründer von Technologie-Unternehmen. Seit 1983 sind in Deutschland 380 "Innovationszentren" entstanden, in denen über 8000 Firmen betreut werden. 2003 sind knapp 1000 neue hinzugekommen.

<P>70 000 Arbeitsplätze gibt es in deutschen Innovationszentren. Nicht eben viele, möchte man meinen, aber laut Bertram Dressel, dem Vorstandsvorsitzenden des ADT, repräsentieren sie "ein beachtliches Potential". Es seien Arbeitsplätze im Hochtechnologiebereich und somit "besonders krisenresistent". Zudem bilden sie Dressel zufolge "die Grundlage für weitere innovationsgetriebene Strukturänderungen in den Regionen".<BR><BR>Bei 90 Prozent der Zentren ist die Öffentliche Hand an der Trägerschaft beteiligt. Oft gehören sie zur Wirtschaftsförderung einer Kommune oder eines Landes. Die Innovationszentren füllen in der Regel alte Industrie-Brachen von großen Betrieben, die pleite gegangen sind, besonders in Sachsen und Nordrhein-Westfalen. Unternehmensgründer bekommen neben intakter Infrastruktur zunächst einmal günstigen Raum zur Verfügung gestellt.<BR><BR>Die Unterstützung beginnt bereits vorher. Herbert Hoffmann, Dressels Stellvertreter: "Der Prozess der Unternehmensgründung dauert in Neuseeland 13 Tage. Bei uns hat ein junger Mann aus Berlin vor kurzem 71 Tage gebraucht."<BR><BR>Größtes Problem sei die Finanzierung. Private Träger und Banken zieren sich. Also leisten die Gründerzentren vor allem auch Lobbyarbeit. "Wir brauchen ein unternehmerfreundlicheres Klima", sagt Dressel. "Arbeitsplätze werden in der Mehrzahl von innovativen kleinen und mittelständischen Unternehmen geschaffen." Wenn dies gelingt, werden die Firmen nach etwa fünf Jahren schließlich ausgegliedert, damit sie sich in der Region niederlassen können.<BR><BR>Aus den Innovationszentren sind durchaus Erfolgsgeschichten entstanden. Etwa die Berliner "O&O Software". Von zwei Studenten 1997 aus der Taufe gehoben, beschäftigt man mittlerweile 40 Mitarbeiter mit der Entwicklung von Werkzeugen für Windows, die laut ADT "besser und schneller" sind als das, was der Microsoft selbst anbietet.<BR><BR>Über 60 Prozent der Zentren tragen sich laut ADT nach der Anschubfinanzierung selbst und sind nicht von öffentlichen Geldern abhängig. Dennoch sind die Innovationszentren in Bayern noch rar gesät. Schuld daran sei die bayerische Förderpolitik gewesen, betont Rolf Friedrichsdorf, stellvertretender ADT-Vorstandsvorsitzender. Bis Mitte der neunziger Jahre habe man das Geld besonders in große Betriebe gesteckt. Das hat sich mittlerweile geändert, bestes Beispiel sind die Innovations- und Gründerzentrum in Martinsried und Weihenstephan. <BR><BR>Dort hat man aber Probleme mit der ADT und hat deswegen die Mitgliedschaft gekündigt. "Wir fühlten uns nicht gut genug vertreten, sagt Gabriele Wegmann von Zentrum in Martinsried. In einer Broschüre etwa sei man überhaupt nicht aufgeführt gewesen. "Die ADT ist einfach nordlastig, und das war uns den Mitgliedsbeitrag nicht wert."</P><P> </P>

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