Normal oder Super: Frage des Geldes

München - Die Preise für Super- und Normalbenzin sind bis auf einen Pfennig zusammengerückt. Experten befürchten nun schon die Abschaffung von "Normal".

Die Automobilclubs sprechen von erneuter Abzocke der Mineralölkonzerne. Diese verweisen auf die hohe Nachfrage nach "Normal" aus China und den USA. Dadurch seinen die Marktpreise für das eigentlich geringerwertige Normalbenzin sogar über die von Super geklettert. An den Zapfsäulen schrumpfte die Preisdifferenz von den bislang üblichen zwei auf einen Cent.

Ein Mehrverdienst der Konzerne allein über den Preis lässt sich kaum ableiten. Denn Super ist auch in der Herstellung teurer. Doch spart sich die Kraftstoffwirtschaft einen Teil der Infrastruktur. Weniger Tanks, weniger Zapfpistolen, eine einfachere Belieferung, dürfte wirtschaftlich von Bedeutung sein. Durch höherwertige Kraftstoffe wie Super Plus oder Super-Diesel, sind manche Zapfsäulen ohnehin bereits an der Grenze möglicher Vielfalt angelangt.

Ein bisschen sparsamer

Dabei dürfte schon die geschrumpfte Preisdifferenz dafür sorgen, dass der Marktanteil von Normalbenzin. derzeit 27,8 Prozent. weiter abnimmt. Denn jeder Motor, der für Normalbenzin ausgelegt ist, schluckt klaglos auch Super. "Super enthält aber ein klein wenig mehr an Energie", sagt Maximilian Maurer vom ADAC. Daraus wird zwar kein wirklich spürbarer Leistungsschub. Doch das Auto oder Motorrad kommt damit einige Kilometer weiter. Und: "Das könnte bei einem Cent Preisdifferenz zum Nullsummenspiel werden, sagt ADAC-Experte Maurer.

Höherer Verbrauch

Umgekehrt ist es schon heute erheblich teurer, ein für Superbenzin ausgelegtes Fahrzeug mit "Normal" zu betanken. Zwar droht bei modernen Motoren mit Klopfsensor kein kapitaler Motorschaden mehr (wenn das leichter entzündliche Normal vorzeitig hochgeht und den Motor überansprucht), doch die Leistung sinkt und der Verbrauch steigt ­ weil der Klopfsensor den Zündzeitpunkt auf spät verschiebt.

Man kann zwar selbst die sportlichsten Motoren für besonders teure Spritsorten heute auch mit billigstem Normalbenzin fahren, doch man sollte das nur tun, wo der hochwertige Kraftstoff nicht zu bekommen ist. Denn die Fahrfreude geht zurück und die Belastung für den Geldbeutel steigt.

Normal soll bleiben

Den Vorwurf der eiskalten Abzocke, wie er von den Autoclubs erhoben wird, weisen die Konzerne übrigens zurück. "Zeitweise haben wir Normalbenzin subventioniert, um den Preisabstand zu halten," sagte Cornelia Wolber von der deutschen Shell.

Auch der Befürchtung, dass Normalbenzin vom Markt genommen wird, tritt die Mineralölwirtschaft entgegen: Solange es ausreichende Nachfrage nach Normalbenzin gibt, werde das Produkt den Kunden auch angeboten, versicherten Shell und Exxon.

(Mit Material von dpa und ap)

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