Notenbank-Geschenke

„Helikopter-Geld“ alarmiert Experten

Frankfurt/München – Geldgeschenke an die Bürger der EU – kurz „Helikopter-Geld“ genannt – werden derzeit als ernsthafte Möglichkeit diskutiert, um die Wirtschaft in der Eurozone anzukurbeln – und das alarmiert immer mehr Finanzexperten.

Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, hatte die Idee jüngst als „sehr interessantes Konzept“ bezeichnet. Bundesbankpräsident Jens Weidmann widerspricht vehement: „Statt immer waghalsigere geldpolitische Experimente ins Spiel zu bringen, wäre es sinnvoll, einmal innezuhalten“, sagte er der Funke-Gruppe. Auch der Chefvolkswirt der Berenberg-Bank, Holger Schmieding, lehnt solche Überlegungen ab: „,Helikopter-Geld‘ ist Quatsch.“ Wirtschaftlich sei es nicht nötig und politisch würde man damit einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen.

„Helikopter-Geld“ gilt als weiteres mögliches Mittel einer ultra-lockeren Geldpolitik. Der Kerngedanke: Statt Geld über den Ankauf von Wertpapieren in den Markt zu pumpen, wie das die EZB derzeit macht, wird Zentralbankgeld einfach verschenkt, direkt an die Bürger – zum Beispiel per Steuergutschrift – oder an den Staat, der die Mittel zum Beispiel für Infrastrukturmaßnahmen verwenden könnte, was die Wirtschaft in Schwung bringen soll.

„Helikopter-Geld ist die Kapitulation einer seriösen Finanzpolitik. Damit wird jedes durch Arbeit erworbene Geld entwertet und künstlich Inflation betrieben“, erklärte Bayerns Finanzminister, Markus Söder, auf Anfrage unserer Zeitung. „Wenn die EZB darüber nachdenkt, ist sie mit ihrem Latein am Ende.“ Michael Heise, der Chefvolkswirt der Allianz, hält ebenfalls nichts von solchen Erwägungen: „Zum einen gibt es rechtliche und buchhalterische Probleme. Zum zweiten ist diese Maßnahme in der jetzigen Situation überhaupt nicht angemessen. Das ist eine radikale Maßnahme, die man vielleicht in einer Weltwirtschaftskrise wie im vergangenen Jahrhundert ziehen muss. Aber derzeit gibt es überhaupt keinen Anlass, Geldgeschenke über die Notenbank zu finanzieren.“  

mfh

Rubriklistenbild: © dpa

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